Einbruch in 20 Minuten: Polizei warnt vor neuer Methode mit Salpetersäure
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Kriminelle zersetzen Schließzylinder mit hochkonzentrierter Säure innerhalb von wenigen Minuten.
Kriminelle nutzen vermehrt eine lautlose Vorgehensweise, um Wohnungstüren zu öffnen. Anstelle von Hebelwerkzeugen setzen Einbrecher auf hochkonzentrierte Salpetersäure, die direkt in den Schließmechanismus eingebracht wird.
Wie die Säure-Methode Schlösser in 20 Minuten zerstört
Im Inneren herkömmlicher Profilzylinder sorgen feine Stifte und Federn aus Messing oder ähnlichen Buntmetallen für die Verriegelung. Salpetersäure greift diese Legierungen unmittelbar durch eine starke chemische Oxidation an.
Täter spritzen die ätzende Flüssigkeit inzwischen gezielt mit medizinischen Spritzen in den Schlüsselschlitz. Nach etwa 20 Minuten sind die internen Kern- und Gehäusestifte so weit zersetzt, dass sich das Schloss ohne Kraftaufwand öffnen lässt.
Herkömmlicher Aufbohrschutz bietet keine Sicherheit
Klassische Sicherheitsmaßnahmen greifen bei diesem Vorgehen nicht. Ein herkömmlicher Aufbohrschutz schützt mechanisch gegen Bohrer und Fräsen, verhindert jedoch nicht das Eindringen von Flüssigkeiten in den Zylinder.
Einen wirksamen Schutz bieten sogenannte Visierbeschläge, die das Schlüsselloch vollständig mit einer Panzerung verdecken. Diese Systeme lassen sich nur über codierte Funkschlüssel freigeben, kosten jedoch mehrere Hundert Euro und werden bislang primär in Justizvollzugsanstalten oder Kliniken verbaut. Günstige Varianten unter 100 Euro verfügen in der Regel über keine Sicherheitszertifizierung.

Fälle in deutschen Großstädten und schwere Verätzungsgefahr
Die Methode wurde bisher vor allem in Berlin – unter anderem in Beständen der Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 – sowie in Hamburg und vereinzelt in Baden-Württemberg registriert. Landesweit betrachtet handelt es sich derzeit noch um Einzelfälle.
Neben dem Einbruchsschaden birgt Salpetersäure erhebliche Risiken für Anwohner. Die Chemikalie setzt giftige Dämpfe frei, deren Einatmen zu schweren Lungenödemen führen kann. Zudem drohen bei Hautkontakt oder Augenkontakt schwere Verätzungen.
Wer verdächtige, intensiv riechende Flüssigkeiten an Türschlössern bemerkt, sollte diese keinesfalls berühren und umgehend die Polizei über den Notruf 110 verständigen.
