Zum Inhalt springen
On Air Festival

Einsamkeit im Experiment: Isolierte Mäusemännchen verdoppeln Alkoholkonsum nach 7 Tagen

Eine Labormaus trinkt an einer Flüssigkeitszufuhr im Käfig Aktuelle News

Forschende untersuchten die Auswirkungen sozialer Isolation auf das Trinkverhalten von Nagetieren.

Soziale Isolation verändert das Trinkverhalten von Nagetieren drastisch – allerdings abhängig vom Geschlecht. Ein Forschungsteam um die Neurowissenschaftlerin Reesha Patel von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago wies nach, dass Einsamkeit bei männlichen Mäusen zu vermehrtem Alkoholkonsum führt, während Weibchen unter denselben Bedingungen weniger trinken.

Verdopplung des Konsums nach Trennung von der Gruppe

Die Versuchstiere wuchsen zunächst in Gruppen auf. Für das Experiment isolierten die Forschenden 14 Männchen und 11 Weibchen in Einzelkäfigen. Einmal täglich erhielten die Tiere für eine Stunde Zugang zu zwei Spendern: einem mit reinem Wasser und einem mit einer 15-prozentigen Alkohollösung.

Über einen Zeitraum von elf Tagen registrierten die Wissenschaftler das Verhalten der Nager. Während die Männchen im Gruppenverband durchschnittlich rund 200 Schlucke der Alkohollösung tranken, verdoppelte sich diese Menge nach sieben Tagen Einzelhaltung auf etwa 400 Einheiten.

Weibliche Mäuse zeigten das entgegengesetzte Verhalten. Sie testeten die alkoholische Lösung zwar zu Beginn, reduzierten ihren Konsum im Laufe der Isolation jedoch kontinuierlich.

Veränderungen im Belohnungsschaltkreis

Die Ursache für das gegensätzliche Verhalten liegt in der neuronalen Verdrahtung. Nach 14 Tagen Isolation analysierten die Forschenden die Signalübertragung zwischen der Amygdala, dem Zentrum für emotionale Reaktionen, und dem präfrontalen Kortex, der Entscheidungen steuert.

Einsamkeit im Experiment: Isolierte Mäusemännchen verdoppeln Alkoholkonsum nach 7 Tagen

Bei den isolierten Männchen feuerten die Neuronen in diesem Belohnungsschaltkreis deutlich schneller und waren leichter erregbar. Bei den isolierten Weibchen reagierten dieselben Nervenzellen hingegen träger als bei Tieren in Gruppenhaltung.

Künstliche Reizung verstärkt den Drang

Um den Zusammenhang zu überprüfen, stimulierten die Forschenden die betroffenen Nervenzellen im Labor gezielt. Die künstliche Aktivierung veranlasste die männlichen Mäuse unmittelbar dazu, noch mehr Alkohol aufzunehmen.

Parallelen zu menschlichen Verhaltensmustern

Warum die Geschlechter neuronal derart unterschiedlich auf Isolation reagieren, wird derzeit weiter untersucht. Ähnliche Tendenzen wurden bereits in Studien mit Menschen beobachtet.

„Unsere Arbeit zeigt, dass Männchen und Weibchen auf unterschiedliche neuronale Strategien zurückgreifen, wenn sie einsam sind“, so Studienleiterin Patel. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob der identifizierte Schaltkreis auch beim Menschen eine Schlüsselrolle bei isolationsbedingtem Suchtverhalten spielt.