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On Air Festival

Extreme Windgeschwindigkeiten in 70 Metern Höhe: Warum auf dem Dach von SRF Meteo die Tränen fließen

Meteorologe moderiert das Wetter auf dem SRF Meteo Dach bei starkem Wind und Regen Aktuelle News

Live-Schalten unter freiem Himmel verlangen den Moderatoren in über 70 Metern Höhe körperlich alles ab.

Extreme Windgeschwindigkeiten in 70 Metern Höhe führen auf dem Wetter-Dach des Schweizerischen Radio und Fernsehens (SRF) in Zürich-Oerlikon regelmäßig dazu, dass den Moderatoren während der Live-Schalte unkontrolliert die Tränen fließen. Was deutsche und schweizerische Fernsehzuschauer oft für einen emotionalen Moment, einen Schwächeanfall oder gar private Trauer halten, ist das Resultat harter meteorologischer Messdaten. Auf der ungeschützten Plattform erreichen bereits moderate Böen schnell Spitzengeschwindigkeiten, die den menschlichen Körper zu drastischen physischen Schutzreaktionen zwingen.

Ein unsichtbarer Faktor verwandelt die abendliche Wetterprognose in eine körperliche Belastungsprobe.

Das Märchen vom weinenden Moderator: Reine Physik statt Emotionen

Viele Zuschauer greifen nach bestimmten Sendungen besorgt zum Telefon, weil sie glauben, der Wetterfee oder dem Meteorologen vor der Kamera fehle es an emotionaler Stabilität. Die Realität hinter den Kulissen sieht jedoch völlig anders aus. Das TV-Studio befindet sich direkt unter freiem Himmel, ohne jegliche Windschutzwände oder Glasfassaden, die das hochauflösende Bild der Kameras durch Reflexionen stören könnten.

„Der ständige, ungefilterte Luftzug auf dieser Höhe entzieht der Hornhaut in Sekundenbruchteilen die nötige Feuchtigkeit, worauf die Tränendrüsen mit einer reflexartigen und massiven Überproduktion reagieren“, betonen Augenärzte und Arbeitsmediziner bei der medizinischen Analyse solcher Outdoor-Moderationen.

Dieser sogenannte Tränenreflex lässt sich durch reine Willenskraft oder professionelles Training nicht stoppen. Je kälter die Umgebungstemperatur sinkt und je trockener die anströmende Luftmasse ist, desto stärker fällt die automatische Reaktion der Augen aus. Die Kameralinse fängt diese physische Überforderung gnadenlos ein und sendet das Bild des vermeintlich weinenden Meteorologen in Millionen Wohnzimmer.

Die architektonische Falle des Zürcher Wetter-Dachs

Das Hochhaus am Leutschenbach wirkt ab einer gewissen Windstärke wie ein gigantischer, vertikaler Windkanal. Luftströmungen brechen sich an der glatten Fassade und werden durch thermische Effekte direkt über die freiliegende Plattform geleitet, auf der das Meteo-Team seine Wetterkarten präsentiert. Da sich die Moderatoren punktgenau auf den Teleprompter konzentrieren müssen, um die komplexen Wetterdaten fehlerfrei abzulesen, können sie dem Windreiz nicht einfach durch ständiges Blinzeln oder Wegsehen entkommen.

Der starre, hochkonzentrierte Blick in die Kamera wird so zur physiologischen Falle.

Technische Protokolle: So wird der Sendungsabbruch verhindert

Um das ständige Tränenaufkommen während der rund dreiminütigen Live-Schalten zu minimieren, hat das Produktionsteam strenge technische und kosmetische Abläufe entwickelt. Diese Präventivmaßnahmen sind für den reibungslosen Ablauf der Sendung zwingend erforderlich und folgen einem festen Protokoll.

  • Spezielle Augentropfen: Wenige Minuten vor dem „On Air“-Zeichen applizieren die Moderatoren hochviskose Tränenersatzmittel. Diese Gele legen einen künstlichen, dickeren Schutzfilm über die Hornhaut, der vom Wind nicht sofort weggeblasen wird.
  • Kalkulierte Blickwinkel: Die Regie passt die genaue Kameraposition minimal an die aktuelle Hauptwindrichtung an. Ziel ist es, dass die aggressive Luftströmung die geöffneten Augen der Moderatoren nicht frontal in einem 90-Grad-Winkel trifft.
  • Wasserfestes Make-up: Die Maskenbildner verwenden beim Wetter-Team ausschließlich hochgradig wasserresistente Produkte. Normale TV-Kosmetik würde durch die unvermeidbaren Reflextränen sofort in die Augen gespült werden, stark brennen und die Sicht auf den Teleprompter komplett blockieren.

Selbst mit diesem strengen Protokoll stoßen die Meteorologen bei schweren Herbststürmen oder extremen winterlichen Ostwind-Lagen an ihre absoluten physischen Grenzen. Die finale Entscheidung, ob eine Live-Sendung aus Sicherheitsgründen vom exponierten Dach in das geschützte Innenstudio verlegt werden muss, fällt der verantwortliche Dienstleiter anhand der Windmessdaten oft erst wenige Sekunden vor dem Countdown.