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EZB-Bericht: Warum Bargeld im Alltag trotz hoher Akzeptanz schleichend verschwindet

Eine typische Selbstbedienungskasse in einem modernen Supermarkt. Aktuelle News

Immer mehr Einzelhändler setzen auf automatisierte Kassen ohne Barzahlungsoption.

Bargeld bleibt das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel im Euroraum. Doch der erste Schein trügt: Eine neue Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) deckt ein verdecktes Problem auf. Während die offizielle Akzeptanz von Scheinen und Münzen hoch ist, erschweren technologische Umstellungen den alltäglichen Einsatz massiv.

Für die Analyse befragte die EZB zwischen Februar und April 8.205 Betriebe in 21 Euroländern, darunter 904 Unternehmen aus Deutschland. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick positiv: 92 Prozent aller Unternehmen akzeptieren weiterhin Bargeld – ein leichter Anstieg gegenüber dem Wert von 90 Prozent vor zwei Jahren.

Der Vormarsch digitaler Alternativen

Trotz dieser stabilen Akzeptanzzahlen verändern sich die Bezahlgewohnheiten grundlegend. Digitale Alternativen gewinnen massiv an Boden:

  • Boom des mobilen Bezahlens: Der Anteil der Firmen, die Smartphone- oder Smartwatch-Zahlungen akzeptieren, stieg von 36 Prozent im Jahr 2024 auf mittlerweile 68 Prozent.
  • Umgestaltung der Infrastruktur: Rund ein Viertel der befragten Betriebe hat bereits gezielt in bargeldlose Systeme investiert oder klassische Kassen mit Bargeldfunktion reduziert.

Das Problem mit der Selbstbedienung

Besonders kritisch bewertet die EZB die Zunahme von Selbstbedienungskassen (SB-Kassen). Mittlerweile nutzt jedes achte Unternehmen im Euroraum diese Technologie. Für Verbraucher ergibt sich daraus eine Hürde: Fast die Hälfte dieser Terminals ist technisch nicht mehr für Bargeld ausgelegt.

EZB-Bericht: Warum Bargeld im Alltag trotz hoher Akzeptanz schleichend verschwindet

Auch wenn ein Geschäft offiziell das Zahlen mit Euro-Scheinen erlaubt, wird dieser Vorgang durch die technologische Einschränkung an SB-Kassen oft umständlich oder unmöglich gemacht. Kunden werden so faktisch zur Kartenzahlung oder mobilen Bezahldiensten gedrängt.

Deutschland als Sonderfall?

Die Bereitschaft, Bargeld komplett aus dem Geschäftsbetrieb zu verbannen, variiert stark innerhalb der Eurozone. In Zypern könnten sich laut EZB-Umfrage 51 Prozent der Betriebe vorstellen, künftig vollständig auf Bargeld zu verzichten. In Griechenland liegt dieser Wert bei 23 Prozent, in Bulgarien bei 18 Prozent.

Deutschland positioniert sich hier deutlich konservativer: Weniger als zehn Prozent der Firmen planen, Bargeld gänzlich abzuschaffen. Dennoch mahnt die EZB die Politik zum Handeln. Um die Wahlfreiheit der Verbraucher zu wahren, müsse sichergestellt werden, dass Bargeld als unkomplizierte und attraktive Bezahloption flächendeckend erhalten bleibt.