Faktencheck: AfD-Kandidat nennt 30 Prozent Syrer bei Messerdelikten – Statistik zeigt 13 Prozent
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Ulrich Siegmund im politischen Schlagabtausch vor der Landtagswahl.
Im direkten Schlagabtausch zwischen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ging es um Kriminalität, Jugendperspektiven und Abschiebungen. Die von der „Volksstimme“ und der „Mitteldeutschen Zeitung“ veranstaltete Debatte enthielt mehrere Behauptungen Siegmunds, die einer genauen Überprüfung nicht standhalten.
Messerangriffe: Falsche Bezugsgröße bei Tatverdächtigen
Siegmund behauptete im Duell: „Wir haben beispielsweise in Sachsen-Anhalt den Umstand, dass bei den Messerdelikten 30 Prozent syrischer Herkunft sind.“ Diese Aussage ist falsch.
Im Jahr 2025 verzeichnete das Innenministerium Sachsen-Anhalts insgesamt 876 Messerangriffe. Laut der Kriminalstatistik besaßen gut 60 Prozent der Tatverdächtigen die deutsche Staatsbürgerschaft, knapp 40 Prozent waren ausländische Tatverdächtige.
Der Anteil syrischer Staatsangehöriger lag lediglich innerhalb der Gruppe der ausländischen Tatverdächtigen bei etwa 30 Prozent. Bezogen auf die Gesamtzahl aller ermittelten Tatverdächtigen machten Syrer rund 13 Prozent aus.

Siegmund im Duell: Welche Aussagen einer Prüfung standhalten
Auswanderungswunsch junger Menschen: Aussage trifft zu
Zur Situation der Jugend in Deutschland erklärte der AfD-Politiker: „Jeder fünfte junge Deutsche möchte auswandern.“ Diese Angabe ist zutreffend.
Die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“, für die rund 2.000 Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren befragt wurden, bestätigt diesen Trend. 21 Prozent der Befragten planen konkret, die Bundesrepublik auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen zu verlassen.

Langfristig können sich laut Studienleiter Kilian Hampel von der Universität Konstanz sogar 41 Prozent der jungen Generation einen Wegzug aus Deutschland vorstellen.
Kosten der Abschiebehaft: Baukosten statt Einzelplatzkosten
Zu den Kosten der Abschiebeinfrastruktur sagte Siegmund: „Wissen Sie, was ein Platz kostet in der Abschiebehaftanstalt? Eine Million Euro für eine Person.“ Diese Zahl bedarf einer klaren Einordnung.
Bauprojekt in Volkstedt
Die genannte Summe bezieht sich auf die reinen Errichtungskosten und nicht auf den laufenden Unterhalt. Nach Angaben des Landesfinanzministeriums vom August 2025 belaufen sich die veranschlagten Baukosten für die geplante Abschiebehaftanstalt in Volkstedt bei Eisleben auf 37,4 Millionen Euro.
Die Einrichtung soll ab 2027 über 30 Haftplätze verfügen. Diese Plätze stehen nicht dauerhaft für eine einzelne Person bereit, sondern werden im Zeitverlauf fortlaufend für unterschiedliche ausreisepflichtige Personen genutzt. Bislang greift Sachsen-Anhalt für den Vollzug der Abschiebehaft auf Kapazitäten anderer Bundesländer zurück.
