Fast 1 Million Euro für 2 Plätze: Wien veröffentlicht Konzept für umstrittene „Auszeit-WG“
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Fast 1 Million Euro für 2 Plätze: Wien veröffentlicht Konzept für umstrittene „Auszeit-WG“
Ein Jugendlicher geht unter einem Gerüst durch.
Nach monatelanger Debatte hat die Stadt Wien das Konzept für die umstrittene „Auszeit-WG“ vollständig offengelegt. Das 16 Seiten umfassende Dokument für die Unterbringung strafunmündiger jugendlicher Intensivtäter steht nun online zur Einsicht bereit.
Laut der Magistratsabteilung 11 (Wiener Kinder- und Jugendhilfe) handelt es sich um das Originalkonzept des privaten Betreibers „neuewege“. Ergänzend wurden Unterlagen zur Trauma- und Sexualpädagogik sowie zur Gewaltprävention publiziert.
Transparenzdruck nach Medienberichten
Eine 17-seitige Vorabversion aus dem Juli war bereits im Sommer über die Nachrichtenagentur APA an die Öffentlichkeit gelangt. Fachleute forderten daraufhin vehement eine lückenlose Offenlegung der Betreuungspläne.
Die zuständige Wiener Stadträtin Bettina Emmerling (NEOS) hatte zuvor erklärt, es habe sich bei kursierenden Texten lediglich um ältere Handouts aus dem Frühjahr gehandelt. Nun liegen die final bewilligten Papiere vor.
Pädagogischer Anspruch versus geschlossene Unterbringung
Die Stadtverwaltung verteidigt das Projekt als innovativen Ansatz, um akute Gewaltspiralen zu stoppen. Ziel sei eine fundierte sozialpädagogische sowie psychiatrische Diagnostik, um individuelle Anschlussperspektiven zu erarbeiten.
Freiheitsbeschränkende Maßnahmen sollen laut Stadt ausschließlich als letztes Mittel („Ultima Ratio“) dienen. Zudem forderte Emmerling vom österreichischen Justizministerium erneut eine bundesweite Rechtsgrundlage für ähnliche Spezialunterkünfte.
Hohe Kosten und minimale Kapazität
Die Einrichtung in einem Haus mit Nebengebäude im Wiener Stadtteil Simmering ist österreichweit die erste ihrer Art. Sie bietet lediglich zwei Betreuungsplätze, verursacht jedoch jährliche Kosten von knapp einer Million Euro.
Rechtlich stützt sich die WG auf das Heimaufenthaltsgesetz, das primär aus dem medizinischen Pflegebereich stammt. Der Betrieb läuft bereits seit knapp zwei Monaten.
Scharfer Protest aus Fachwelt und Verbänden
Aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Sozialarbeit kommt massive Gegenwehr. Der forensische Facharzt Patrick Frottier kritisierte das Vorhaben und attestierte dem Konzept gravierende fachliche Mängel.
Julia Pollak, Geschäftsführerin des Berufsverbands der Sozialen Arbeit (OBDS), hinterfragte öffentlich, ob Fachkräfte die Betreuung fachlich und ethisch verantworten können. Auch die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ÖGKJP), die Volksanwaltschaft und Verfassungsjurist Heinz Mayer meldeten erhebliche Bedenken an.
Die Stadt verweist hingegen auf eine laufende wissenschaftliche Evaluation und die Kontrollfunktion der Kinder- und Jugendanwaltschaft vor Ort.

