Fast jeder zweite junge Deutsche hat Telefonangst: Gründer verlangt 22 Euro pro Anruf
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Fast jeder zweite junge Deutsche hat Telefonangst: Gründer verlangt 22 Euro pro Anruf
Ein Anruf beim potenziellen Arbeitgeber, die Reklamation einer fehlerhaften Lieferung oder die Absage eines Termins beim Zahnarzt: Was früher zum Alltag gehörte, löst heute bei vielen Menschen Beklemmungen aus. Der 26-jährige Fitnesstrainer Danny Thiel aus Trier hat aus dieser Hemmschwelle ein Dienstleistungsangebot geschaffen.
Mit seinem Service namens „Erledigbar“ übernimmt Thiel unangenehme Telefongespräche für Dritte. Pro Anruf verlangt er 22 Euro. Seine Zielgruppe umfasst Personen, die den direkten telefonischen Kontakt meiden und alles delegieren möchten, was sich nicht über digitale Textnachrichten regeln lässt.
Kontrollverlust am Telefon
Die Ursache für die zunehmende Telefonangst liegt vor allem in der Dominanz asynchroner Kommunikation. Über Messenger-Dienste und Chats lässt sich jede Formulierung überdenken und korrigieren, bevor sie abgeschickt wird.
Beim Echtzeit-Telefonat hingegen entfällt diese Kontrolle. Betroffene fürchten Stottern, Denkpausen, eine zitternde Stimme oder unerwartete Reaktionen des Gegenübers.
Fast jeder zweite junge Erwachsene betroffen
Dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt, belegen aktuelle Daten. Eine Erhebung des Branchenverbands Bitkom aus dem Jahr 2025 zeigt, dass sich jeder dritte Bundesbürger beim Telefonieren mit Fremden unwohl fühlt. In der jüngeren Generation betrifft dies fast jeden Zweiten.
Auch Krankenkassen wie die Barmer thematisieren das Phänomen. Sie vergleichen das Telefonieren mit dem Spielen eines Musikinstruments: Ohne regelmäßige Übung steigen Verunsicherung und Anspannung bei unvorbereiteten Gesprächen drastisch an.
Forschung an der Universitätsklinik Heidelberg
Die klinische Dimension dieses Phänomens wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Am Universitätsklinikum Heidelberg erforscht ein Team unter der Leitung von Nadine Wolf die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, Smartphone-Nutzung und Telefonangst.
Im Fokus der Heidelberger Studie steht die Frage, ob es sich bei der ausgeprägten Telefonphobie um eine eigenständige Form der sozialen Angststörung handelt.
Neue Hürden bei der Kontaktaufnahme
Die Hemmungen zeigen sich inzwischen auch auf anderen Kanälen. Danny Thiel berichtet, dass bereits die Buchung seiner Dienste viele Kunden vor Herausforderungen stellt.
Da eine telefonische Kontaktaufnahme nicht infrage kommt, bietet Thiel ein Online-Formular an. Doch selbst das Eintippen des Anliegens führt bei manchen Interessenten zu einer Blockade vor dem leeren Textfeld.
