Fehler an der SB-Kasse: 70-Jährige übersieht 5-Cent-Tüte und soll 320 Euro zahlen
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Selbstbedienungskassen stehen im Einzelhandel wegen strenger Kontrollen im Fokus.
Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit an einer Selbstbedienungskasse hatte für eine 70-jährige Rentnerin gravierende Folgen. Weil die regulären Kassen voll waren und sie einen Zahnarzttermin einhalten musste, nutzte die Schweizerin Therese am 31. März in einer Migros-Filiale nördlich von Bern erstmals ein Self-Checkout-Terminal.
Sie scannte sieben Artikel, zahlte rund 25,50 Euro (24 Franken) mit ihrer Kreditkarte und nahm anschließend eine Plastiktüte. Dass die Tüte mit einem Preis von rund fünf Cent (fünf Rappen) separat erfasst werden musste und zudem ein weiterer Artikel nicht richtig registriert wurde, übersah die Kundin. Auch den Kassenbon kontrollierte sie nach dem Bezahlvorgang nicht.
Ermittlungen wegen Ladendiebstahls nach vier Monaten
Vier Monate nach dem Einkauf forderte die Polizei die Seniorin zu einer Befragung auf der Wache in Münchenbuchsee auf. Die Behörden leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf geringfügigen Ladendiebstahl ein. Parallel dazu forderte der Supermarkt eine Zahlung in Höhe von umgerechnet rund 320 Euro (300 Franken) von ihr.
Auf der Polizeidienststelle wurden Finger- und Handballenabdrücke sowie Fotos der 70-Jährigen angefertigt, darunter auch Aufnahmen eines Tattoos am Fuß. Die Polizei begründete diese erkennungsdienstliche Erfassung damit, dass nicht die Höhe des Warenwerts, sondern Hinweise auf einen möglichen Vorsatz entscheidend für das Vorgehen seien.

SB Kasse
Nach Sichtung der Videoaufzeichnungen aus dem Markt räumte die Rentnerin ihr Versehen ein. Das Handelsunternehmen erklärte, Anzeigen grundsätzlich sorgfältig zu prüfen und nicht leichtfertig zu erstatten. Das Verfahren liegt derzeit bei der zuständigen Staatsanwaltschaft.
Einzelhandel verschärft Kontrollen an Terminals
Fälle unbezahlter Waren an SB-Kassen häufen sich auch im deutschen Einzelhandel. Marktleiter berichten, dass es bei Fehlbeträgen an den Automaten keinen typischen Täterkreis gebe und unbezahlte Artikel quer durch alle Altersgruppen vorkommen.
15 bis 30 Prozent höhere Verlustquoten
Nach Erhebungen des Handelsforschungsinstituts EHI liegt die Diebstahlquote an SB-Kassen zwischen 15 und 30 Prozent höher als an herkömmlichen Kassen mit Personal. Händler reagieren darauf mit Zufallskontrollen am Ausgang, Sicherheitspersonal sowie dem verstärkten Einsatz von Überwachungskameras und KI-Systemen, die ungescannte Artikel automatisch erfassen.

