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Fehler an der SB-Kasse: 70-Jährige wegen Plastiktüte von Polizei erkennungsdienstlich behandelt

Selbstbedienungskasse in einem Supermarkt Aktuelle News

Der Gang an die SB-Kasse endete für eine Seniorin mit einer Vorladung bei der Polizei.

Ein kurzer Einkauf vor einem anstehenden Zahnarzttermin endete für eine 70-jährige Schweizerin mit einem Strafverfahren. Weil an den bedienten Kassen einer Migros-Filiale lange Schlangen standen, nutzte die Kundin Ende März zum ersten Mal die Selbstbedienungskasse.

Sie erfasste sieben Artikel eigenhändig, bezahlte den fälligen Betrag und packte die Einkäufe in eine Plastiktüte aus dem Kassenbereich. Dass die Tüte kostenpflichtig war, übersah sie. Zudem wurde ein weiterer Artikel vom System nicht korrekt registriert. Den Kassenbon kontrollierte die Seniorin im Anschluss nicht.

Polizeiliche Ermittlungen und 320 Euro Schadenersatz

Monate nach dem Vorfall erhielt die Frau eine Vorladung der Polizei in Münchenbuchsee bei Bern. Die Behörden leiteten ein Verfahren wegen des Verdachts auf geringfügigen Diebstahl ein. Zeitgleich verlangte die Supermarktkette eine Entschädigung von 300 Franken (rund 320 Euro) von der Kundin.

Erkennungsdienstliche Behandlung auf dem Revier

Auf der Dienststelle folgten umfassende Maßnahmen: Beamte nahmen Finger- und Handballenabdrücke und fertigten Fotos an – inklusive einer Nahaufnahme eines Tattoos an ihrem Fuß. Die 70-Jährige beschrieb die Situation rückblickend als extrem belastend und gab an, sich wie eine Kriminelle gefühlt zu haben.

Die Polizei begründete die Schritte damit, dass solche Maßnahmen bei einem Diebstahlsvorwurf unabhängig von der Schadenshöhe zum Standardverfahren gehören. Ausschlaggebend sei die Klärung, ob ein Vorsatz vorlag.

Fehler an der SB-Kasse: 70-Jährige wegen Plastiktüte von Polizei erkennungsdienstlich behandelt

Nach Sichtung der Videoaufnahmen räumte die Seniorin das Versehen ein und erklärte sich bereit, ein behördliches Bußgeld zu begleichen. Die Supermarktkette betonte, Anzeigen erst nach sorgfältiger Prüfung zu erstatten. Der Fall liegt inzwischen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft.

Wann sich SB-Kassen im Supermarkt wirklich lohnen

Selbstbedienungsterminals sparen nicht automatisch Zeit. Während sie bei wenigen Artikeln einen schnellen Durchlauf ermöglichen, verlangsamen Großeinkäufe den Prozess an den Geräten oft erheblich.

Auch die Wahl der kürzesten regulären Kassenschlange führt häufig nicht schneller zum Ziel. An diesen Kassen sitzen vermehrt Auszubildende oder neue Arbeitskräfte, die noch Routine aufbauen müssen. Ein flüssiger Ablauf gelingt vor allem dann, wenn gescannte Waren zuerst komplett im Einkaufswagen gesammelt und erst nach der Bezahlung eingepackt werden.