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Gaspipeline nach Kaliningrad: Estland plant Stopp des Transits durch 22 Kilometer lange Trasse

Gaspipeline-Infrastruktur an der estnischen Grenze Aktuelle News

Estland erwägt die Kappung der verbliebenen russischen Gas-Transitverbindung nach Kaliningrad.

Die Regierung in Tallinn verstärkt ihren Kurs gegenüber Moskau auf mehreren Ebenen. Estland plant, eine verbliebene Transitverbindung für russisches Erdgas in Richtung der russischen Exklave Kaliningrad dauerhaft zu kappen.

Gleichzeitig drängte Nato-Generalsekretär Mark Rutte bei einem Antrittsbesuch in der estnischen Hauptstadt auf eine deutliche Verstärkung der westlichen Luftabwehr-Unterstützung für die Ukraine vor dem herannahenden Winter.

Aus für russische Reserve-Gastrasse geplant

Aus für russische Reserve-Gastrasse geplant

Estlands Ministerpräsident Kristen Michal will den Transport von russischem Gas über estnisches Staatsgebiet beenden. Betroffen ist ein Leitungsstrang im südöstlichen Landkreis Võru, der Russland mit Lettland verbindet und als Ausweichroute für die Versorgung Kaliningrads dient.

Die Infrastruktur besteht aus zwei parallel verlaufenden Röhren mit einer Länge von jeweils 22 Kilometern und einem Durchmesser von rund 70 Zentimetern. Eigentümer der Trasse ist der staatliche Netzbetreiber Elering.

Estlands Energie- und Umweltminister Erkki Keldo soll dazu Gespräche mit Lettland aufnehmen, da sich das zuständige Absperrventil auf lettischem Gebiet befindet. Sollte eine gemeinsame diplomatische Vereinbarung scheitern, erwägt Tallinn ein nationales Transitverbot durch eigene Sanktionen.

Reine Notfallroute für die Exklave

Estland hatte den Import von russischem Gas für den eigenen Binnenmarkt bereits zum Jahreswechsel 2022/2023 gesetzlich untersagt. Der Transit über den Grenzpunkt Luhamaa blieb von dieser Maßnahme bislang unberührt, da das Gas nicht in das estnische Versorgungsnetz floss.

Nach Angaben der EU-Energieagentur ACER fungiert die Leitung lediglich als Ersatzsystem, falls die direkte Pipelineroute über Litauen oder das schwimmende LNG-Terminal in Kaliningrad ausfallen. Im Juli 2023 und im Herbst 2024 wurden jeweils rund 0,5 Terawattstunden Erdgas durch die Trasse geleitet, was etwa 15 Prozent des estnischen Jahresbedarfs entspricht. Derzeit ruht der Durchfluss vollständig.

Rutte warnt in Tallinn vor hybriden Bedrohungen

Rutte warnt in Tallinn vor hybriden Bedrohungen

Parallel zu den energiepolitischen Schritten rückte die militärische Sicherheitslage an der Nato-Ostflanke in den Fokus. Bei einem Treffen mit Kristen Michal in Tallinn warnte Nato-Generalsekretär Mark Rutte vor den anhaltenden Sabotageakten und Cyberangriffen Moskaus.

Eine unmittelbare militärische Bedrohung für das Nato-Territorium bestehe nicht, betonte Rutte. Die hybriden Aktionen des Kremls seien vielmehr Versuche, die westliche Unterstützung für Kiew zu brechen. Das Bündnis müsse seine Lieferungen zur Luftverteidigung der Ukraine nun rasch hochfahren.

Regierungschef Michal bekräftigte die Haltung seines Landes, das mit seinen rund 1,2 Millionen Einwohnern direkt an Russland grenzt: Die militärische Unterstützung Kiews bleibe für Estland eine direkte Investition in die eigene nationale Sicherheit.