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Gefahr durch „Schlaf-Gummis“: Kinderärzte fordern Verbot von Melatonin-Süßigkeiten

Symbolbild für Melatonin-Präparate Aktuelle News

Melatonin wird zunehmend als Einschlafhilfe in Form von Gummibärchen vermarktet.

Immer mehr Eltern greifen bei Schlafproblemen ihrer Kinder zu frei verkäuflichen Melatonin-Produkten, die häufig wie Gummibärchen gestaltet sind. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) schlägt nun Alarm und fordert ein Verbot dieser Produkte.

Die Mediziner kritisieren insbesondere die Vermarktung als „Schlaf-Gummis“. Diese Aufmachung ist riskant, da sie bei Kindern den Eindruck erweckt, es handele sich um gewöhnliche Süßigkeiten.

Risiko durch Verwechslung und Überdosierung

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Als zugelassenes Arzneimittel wird es unter ärztlicher Aufsicht lediglich bei schweren Schlafstörungen, etwa bei Autismus oder ADHS, eingesetzt.

Nahrungsergänzungsmittel hingegen unterliegen deutlich schwächeren Anforderungen. Sie müssen vor dem Verkauf keine Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweise erbringen. Das macht sie für Eltern unvorhersehbar.

Die DGKJ warnt davor, dass Kleinkinder die Produkte mit Süßwaren verwechseln und dadurch unbeabsichtigt zu hohe Mengen konsumieren können.

Anstieg der Vergiftungsfälle

Wie gefährlich die freie Verfügbarkeit ist, belegen Daten aus den USA. Melatonin war dort im Jahr 2020 der am häufigsten gemeldete Stoff bei Anrufen bei Giftnotrufzentralen im Zusammenhang mit Kindern.

Gefahr durch „Schlaf-Gummis“: Kinderärzte fordern Verbot von Melatonin-Süßigkeiten

Zwischen 2012 und 2021 stieg die Zahl der gemeldeten Fälle um über 500 Prozent. Auch die Krankenhausaufenthalte nahmen zu; in zwei Fällen kam es sogar zu Todesfolgen.

Begrenzter Nutzen, reale Nebenwirkungen

Bei ansonsten gesunden Kindern ist der Nutzen von Melatonin zudem wissenschaftlich kaum belegt. Studien zeigen, dass sich die Zeit bis zum Einschlafen lediglich um durchschnittlich 18 Minuten verkürzt.

Dem gegenüber stehen potenzielle Nebenwirkungen. Dazu gehören unter anderem morgendliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Aggressivität und Albträume.

Ärztliche Kontrolle gefordert

Die Ernährungskommission der DGKJ fordert daher eine strengere Regulierung. Experten betonen, dass Melatonin ausschließlich bei einer ärztlich diagnostizierten Indikation und unter Aufsicht verabreicht werden sollte.

Anstatt auf Supplemente zu setzen, raten Mediziner Eltern dazu, die Schlafhygiene zu optimieren. Dazu zählen feste Einschlafrituale, regelmäßige Schlafenszeiten und der konsequente Verzicht auf Bildschirme am Abend.