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On Air Festival

Großbritannien am Limit: Warum das Land der Regenschirme bald vertrocknet

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Die aktuelle Klimakrise stellt die Infrastruktur Großbritanniens vor beispiellose Herausforderungen.

Der Sommer, der alles verändert

Großbritannien erlebt derzeit den heißesten, trockensten und tödlichsten Sommer seiner Geschichte. Drei Viertel Englands und ganz Wales befinden sich offiziell im Dürrezustand. Bisher sind fast 3.000 Menschen infolge der extremen Hitzewellen verstorben. Die einst grünen Landschaften haben sich in staubige Einöden verwandelt, und selbst Musikfestivals finden mittlerweile auf ausgetrockneten Feldern statt.

Hayley Fowler, Professorin an der Universität Newcastle, stellt klar: „Dies ist der bestmögliche Zustand. Es wird nur noch heißer werden.“ Ein Met-Office-Szenario für das Jahr 2050 zeigt bereits, was droht: Eine blutrote Karte, auf der Cambridge 40 Grad und Teile Südenglands bis zu 45 Grad erreichen. Der Rat der Experten? Drinnen bleiben und Flüssigkeit zu sich nehmen – während genau diese in den Stauseen knapp wird.

Klimapeitsche: Wenn das Wasser zur Gefahr wird

Großbritannien steht vor dem, was Wissenschaftler „Klima-Peitschenhieb“ (Climate Whiplash) nennen. Die Bewohner schwanken zwischen Phasen, in denen das Wasser verzweifelt gesucht wird, und Zeiten, in denen Fluten wie während des Sturms „Desmond“ 2015 ganze Regionen lahmlegen. Die Vorhersehbarkeit des Wetters ist einer chaotischen Instabilität gewichen.

Dr. Jonathan Paul von der Royal Holloway University of London warnt: „Wir sind es gewohnt, Wasser als unendlich verfügbare Ressource zu betrachten. Schon bald werden wir darum kämpfen müssen – etwa zwischen Landwirtschaft und Rechenzentren.“

Ein defektes System

Die aktuelle Krise ist nicht nur ein klimatisches Problem, sondern das Resultat einer völlig maroden Wasserwirtschaft. Seit der Privatisierung unter Margaret Thatcher wurde das Netz vernachlässigt. Das Know-how für den Bau von Stauseen – einst ein britisches Aushängeschild – ist längst verloren gegangen; der letzte große Staudamm wurde 1992 fertiggestellt.

Während die Wasserversorger die Bürger zu kürzeren Duschen ermahnen, lobbyieren sie gleichzeitig für Preismodelle, bei denen Wasser teurer wird, wenn der Bedarf am höchsten ist. Experten wie die „Foundational Economy“-Gruppe bezeichnen die Pläne der Versorger als reine Fantasiegespinste, die kaum über das Flicken von Lecks hinausgehen.

Der politische Stillstand

In der Politik herrscht Ratlosigkeit bis hin zur Ignoranz. Während Akteure wie Richard Tice dazu aufrufen, das Klagen über den Klimawandel einzustellen, bleibt die Regierung unter Andy Burnham in Bezug auf fossile Brennstoffe auffallend vage. Statt weitreichender Adaptionsstrategien setzt man auf kurzfristige Appelle an die Bevölkerung.

Großbritannien, das Land, das einst für seinen beständigen Nieselregen berühmt war, verliert die Kontrolle über seine essenziellsten Ressourcen. Was vor zehn Jahren als politische Freiheit gefeiert wurde, entpuppt sich heute als ein Verlust der Souveränität über Energie und Wasser. Die Realität ist ernüchternd: Das Modell, auf dem der Wohlstand des Landes fußt, ist schlichtweg gebrochen.