Heizung entlüften im Mehrfamilienhaus: Diese Reihenfolge verhindert teure Fehler beim Heizen
Ratgeber & Tipps
Ein einfacher Entlüftungsschlüssel genügt, um gestaute Luft aus dem Heizsystem zu entfernen.
Die richtige heizung entlüften im mehrfamilienhaus reihenfolge beginnt stets am tiefsten Punkt des Gebäudes: Wer von unten nach oben vorgeht und bei den Heizkörpern startet, die der Heizanlage am nächsten liegen, stellt sicher, dass sich das System wieder optimal mit Heizwasser füllt. Gerade zum Start der Heizperiode Ende September oder Anfang Oktober sorgt dieser Ablauf für einen leisen, störungsfreien Betrieb und kann laut TÜV Thüringen die Heizkosten um bis zu 15 Prozent senken.
Gluckert ein Heizkörper oder bleibt die obere Hälfte trotz aufgedrehtem Thermostat kühl, ist fast immer eingeschlossene Luft die Ursache. Diese Luft verdrängt das warme Wasser und mindert die Heizleistung drastisch. Besonders in mehrstöckigen Immobilien führt ein unstrukturiertes Entlüften einzelner Räume jedoch oft dazu, dass Luftblasen lediglich in höher gelegene Wohnungen wandern.
Die entscheidende Reihenfolge: Warum die Etage über den Erfolg entscheidet
Bei der Entlüftung in einem mehrstöckigen Gebäude ist die physikalische Fließrichtung des Heizkreislaufs maßgeblich. Haus & Grund Rheinland Ruhr und Prüforganisationen empfehlen daher eine feste Struktur bei der Bearbeitung aller Heizkörper.
„Man beginnt mit dem Entlüften immer bei dem Heizkörper, der sich am nächsten an der Heizanlage befindet und arbeitet sich dann von der Anlage weg.“
In der Praxis bedeutet das für ein Mehrfamilienhaus: Die Entlüftung startet im Erdgeschoss beziehungsweise im untersten Stockwerk. Von dort aus arbeitet man sich etagenweise nach oben vor, bis schließlich die Heizkörper im obersten Stockwerk entlüftet werden. Innerhalb einer Etage beginnt man jeweils bei dem Heizkörper, der der Steigleitung am nächsten liegt.
Schritt für Schritt: So gelingt die Entlüftung reibungslos
Um das beste Ergebnis zu erzielen, sollten vor dem Öffnen der Ventile einige grundlegende Vorbereitungen getroffen werden. Wer Zugang zur Heizanlage hat, kann den Wirkungsgrad des Vorgangs spürbar steigern.
Vorbereitung und Werkzeug
Für den Vorgang werden lediglich wenige Hilfsmittel benötigt:
- Ein standardisierter Entlüftungsschlüssel (Vierkantschlüssel aus dem Baumarkt) oder alternativ ein passender Schraubendreher bzw. eine Zange
- Ein saugfähiger Lappen oder ein Handtuch
- Ein Auffangbehälter, beispielsweise eine kleine Schüssel oder Tasse
Sofern Mieter oder Eigentümer direkten Zugriff auf die Heizanlage haben, sollte die Umwälzpumpe vorab abgeschaltet werden. Der ADAC weist darauf hin, dass man nach dem Abschalten 30 bis 60 Minuten warten sollte, damit sich die Luftbläschen an den höchsten Punkten der Heizkörper sammeln können. Bei modernen Wärmepumpen darf das Abschalten allerdings nicht abrupt erfolgen, um den Kompressor vor Schäden zu schützen.
- Thermostate aufdrehen: Vor Beginn alle Heizkörperventile voll öffnen, damit das Wasser zirkuliert und sich die Luft oben am Ventil sammelt.
- Auffanggefäß platzieren: Die Schüssel direkt unter das Entlüftungsventil halten, das sich an der gegenüberliegenden Seite des Thermostats befindet.
- Ventil behutsam öffnen: Den Entlüftungsschlüssel langsam gegen den Uhrzeigersinn drehen – eine Viertel- bis halbe Drehung reicht meist völlig aus.
- Luft entweichen lassen: Ein Zischen signalisiert, dass die gestaute Luft entweicht.
- Ventil schließen: Sobald das Zischen stoppt und ein gleichmäßiger Wasserstrahl austritt, das Ventil sofort wieder zudrehen. Vorsicht: Das austretende Wasser kann heiß sein.
Moderne Heizkörper verfügen mitunter über automatische Entlüftungsventile mit einem Plastikrädchen, die sich von Hand öffnen lassen und beim Kontakt mit austretendem Wasser selbstständig schließen.
Wasserdruck und Ventile: Was nach dem Entlüften ansteht
Nachdem alle Heizkörper der Reihe nach entlüftet wurden, stellt man die Thermostate wieder auf eine mittlere Stufe (etwa Stufe 3) und schaltet die Anlage oder Umwälzpumpe wieder ein. Ein kritischer Schritt folgt unmittelbar danach.
Durch das Ablassen der Luft und kleiner Mengen Wasser sinkt der Anlagendruck. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt daher, den Druck im System nach dem Entlüften zwingend zu kontrollieren. Liegt der Druck unter dem in der Betriebsanleitung vorgeschriebenen Wert, muss Wasser nachgefüllt werden. Mieter sollten hierzu die Hausverwaltung oder den Hausmeister kontaktieren, da diese für das Auffüllen der zentralen Heizanlage zuständig sind.
Mythen vs. Realität beim Heizen im Mehrfamilienhaus
Rund um das Thema Heizen und Entlüften halten sich hartnäckige Fehleinschätzungen, die zu unnötigen Kosten oder Missverständnissen führen können.
| Verbreitete Annahme | Tatsächlicher Sachverhalt |
|---|---|
| Mieter dürfen Heizkörper nicht selbst entlüften. | Das Entlüften der Heizkörper in der eigenen Wohnung ist Mietern problemlos selbst erlaubt. |
| Die Reihenfolge beim Entlüften spielt im Haus keine Rolle. | Ohne die Reihenfolge von unten nach oben wandert die Luft oft in die oberen Stockwerke zurück. |
| Wartungskosten für die Heizung zahlt immer der Vermieter allein. | Regelmäßige Wartungskosten können bei entsprechender Vereinbarung im Mietvertrag über die Nebenkosten umgelegt werden. |
| Wenn es gluckert, reicht einfaches Aufdrehen der Heizung. | Gluckern deutet klar auf Luft hin; ohne Entlüftung sinkt die Energieeffizienz um bis zu 15 Prozent. |
Bleibt ein Heizkörper auch nach sorgfältiger Entlüftung und korrektem Anlagendruck kalt, liegt das Problem häufig tiefer. Laut Experten kann ein verklemmtes oder verkalktes Thermostatventil vorliegen. In solchen Fällen oder bei anhaltender Fehlfunktion sollte ein Fachbetrieb für einen hydraulischen Abgleich kontaktiert werden.
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