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HIV-Prognose bis 2040: Fast 50 Prozent der Betroffenen über 65 Jahre alt

HIV-Prognose bis 2040: Fast 50 Prozent der Betroffenen über 65 Jahre alt Aktuelle News

HIV-Prognose bis 2040: Fast 50 Prozent der Betroffenen über 65 Jahre alt

Moderne antiretrovirale Therapien haben HIV von einer tödlichen Infektion in eine behandelbare chronische Erkrankung verwandelt. Dieser medizinische Erfolg führt nun zu einer tiefgreifenden demografischen Verschiebung.

Bereits im Jahr 2022 war mehr als die Hälfte der Menschen mit HIV in den USA mindestens 50 Jahre alt. Eine in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlichte Modellierungsstudie der Johns Hopkins University zeigt nun das Ausmaß dieses Wandels bis zum Jahr 2040.

Verdopplung der Seniorenquote bis 2040

Die Forscher analysierten Daten aus 24 US-Bundesstaaten, in denen rund 86 Prozent aller diagnostizierten Personen des Landes leben. Bleiben aktuelle Trends bei Übertragung, Diagnose und Behandlung bestehen, steigt das Medianalter der Betroffenen von 51 Jahren im Jahr 2025 auf 61 Jahre im Jahr 2040.

Besonders deutlich fällt der Zuwachs bei den über 65-Jährigen aus: Ihre Zahl verdoppelt sich von rund 214.000 auf 459.000 Personen. Damit werden Seniorinnen und Senioren im Jahr 2040 voraussichtlich 46 Prozent der diagnostizierten HIV-Population ausmachen – verglichen mit 23 Prozent im Jahr 2025.

Zum Vergleich: Im selben Zeitraum bleibt das Medianalter der allgemeinen erwachsenen Bevölkerung nahezu unverändert bei etwa 44 Jahren.

Symbolbild zur medizinischen Versorgung und Diagnostik im Alter.

Starke regionale Unterschiede

Die Alterung verläuft geografisch nicht einheitlich. In Bundesstaaten wie Kalifornien und New York prognostizieren die Modelle einen Anstieg des Medianalters auf jeweils 67 Jahre.

In Regionen wie Oklahoma, in denen die Neuinfektionen jüngere Altersgruppen dominieren, wird das Medianalter im Jahr 2040 hingegen bei nur 39 Jahren erwartet. Gesundheitssysteme müssen daher auf regional stark voneinander abweichende Patientenprofile reagieren.

Multimorbidität und Polypharmazie

Mit der höheren Lebenserwartung verschiebt sich der klinische Fokus. Bei langfristig unterdrückter Viruslast treten altersassoziierte Begleiterkrankungen in den Vordergrund: Herz-Kreislauf-Leiden, Niereninsuffizienz, Diabetes, bestimmte Tumorarten und neurokognitive Störungen.

Chronische Entzündungsprozesse und eine anhaltende Aktivierung des Immunsystems erhöhen das Krankheitsrisiko älterer HIV-Patienten zusätzlich im Vergleich zu gleichaltrigen Personen ohne Infektion.

Die gleichzeitige Behandlung mehrerer chronischer Erkrankungen steigert das Risiko gefährlicher Wechselwirkungen mit antiretroviralen Wirkstoffen. Für die medizinische Versorgung erfordert dies eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Infektiologie, Kardiologie, Geriatrie und Onkologie.