HSV-Fan rebelliert: Warum der Stadion-Kongress der Zeugen Jehovas für Zündstoff sorgt
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Das Volksparkstadion dient an diesem Wochenende als Veranstaltungsort für den Kongress der Zeugen Jehovas.
Kritik am „Fest der Liebe“
Franz Hermann, 61, ist dem HSV seit 1977 als Dauerkarteninhaber verbunden. Doch statt Vorfreude auf die nächste Saison herrscht bei dem treuen Anhänger Entsetzen. Grund ist das aktuelle „Fest der Liebe“ der Zeugen Jehovas, das an diesem Wochenende das Volksparkstadion belegt.
Etwa 75.000 Anhänger der Religionsgemeinschaft werden zu dem dreitägigen Großereignis erwartet. Dass im Vorfeld der Veranstaltung Fußball-Sticker im Stadion entfernt wurden, ist für Hermann nur ein Randaspekt. Sein Widerstand ist fundamentaler Natur und richtet sich gegen die inhaltliche Ausrichtung des Gastgebers.
Vereinssatzung vs. Glaubensgemeinschaft
Hermann sieht in der Vermietung an die Zeugen Jehovas einen klaren Widerspruch zu den Werten des Hamburger SV. „Während der Spiele hängen im Stadion Banner gegen Intoleranz. In unserer Satzung sind Werte der Toleranz, des Respekts und der Ablehnung jeglicher Art von Diskriminierung festgeschrieben“, betont der Fan.
Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas steht seit Jahren in der Kritik, insbesondere wegen ihrer Haltung zu Homosexualität. Kritiker und Aussteiger berichten wiederholt von homophoben Tendenzen innerhalb der Organisation. Bereits 2016 sorgte die Gemeinschaft mit einem Lehr-Cartoon für Aufsehen, in dem Homosexualität als eine „heilbare Krankheit“ dargestellt wurde.
Fehlende Transparenz bei der Vergabe
Für Hermann ist die Entscheidung des Vereins nicht nachvollziehbar. Er fordert: „Eigentlich müsste der HSV die Veranstaltung canceln.“ Besonders kritisiert er die Informationspolitik der Vereinsführung.

„Bis zuletzt hat es eigentlich keiner gewusst. Wenn man so etwas macht, müsste man es vorher kommunizieren und diskutieren“, so das Mitglied. Die Stadionmiete für das mehrtägige Event soll laut Medienberichten in einem sechsstelligen Bereich liegen, eine offizielle Bestätigung des Vereins dazu steht jedoch aus.
Historischer Kontext und offene Fragen
Für die Zeugen Jehovas ist der Kongress mehr als ein Gottesdienst. Viele Teilnehmer nutzen den Aufenthalt in der Hansestadt für einen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, um der rund 1.700 Mitglieder zu gedenken, die in der NS-Zeit aufgrund ihres Glaubens und ihres Widerstands gegen das Regime ums Leben kamen.
Trotz dieser historischen Verfolgung bleibt die Kritik an den internen Strukturen und totalitären Denkmustern der Organisation in der breiten Gesellschaft bestehen. Franz Hermann hat bereits Konsequenzen angekündigt: Er bereitet für die nächste Mitgliederversammlung einen Antrag vor, der eine umfassende Aufklärung über die Vergabepraxis des Stadions fordern soll. Der Hamburger SV hat auf eine Anfrage zu den Vorwürfen bislang nicht reagiert.
