Igel im Garten überwintern: Mindestgewicht von 500 Gramm entscheidet über Überlebenschancen
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Ein naturnaher Haufen aus Laub und Reisig bietet Igeln den optimalen Kälteschutz für den Winterschlaf.
Ein Körpergewicht von mindestens 500 Gramm entscheidet bei Jungigeln vor dem Wintereinbruch über das Überleben im heimischen Garten. Ausgewachsene Tiere benötigen vor dem Gang in das Winterquartier ein Gewicht von mindestens 1.000 Gramm, um die monatelange Nahrungspause zu überstehen.
Sinkende Temperaturen und akuter Insektenmangel zwingen die stacheligen Wildtiere meist ab November in den Winterschlaf. Während dieser Phase sinkt die Körpertemperatur von rund 36 Grad Celsius auf bis zu ein Grad Celsius ab.
„Gesunde Igel benötigen im Spätherbst vor allem ungestörte Rückzugsorte und Ruhe statt menschlicher Eingriffe im Haus“, betont Wildtierbiologe Dr. Klaus Müller vom Naturschutzbund.
Wann Igel im Garten Unterstützung brauchen
Igel sind nachtaktive Tiere. Ein gesunder Igel bewegt sich bei Tageslicht fast nie ungeschützt über offene Rasenflächen.
Auffallend magere Tiere sind an einer Einbuchtung hinter dem Kopf, der sogenannten Hungereinkerbung, zu erkennen. Kranke oder verletzte Igel rollen sich bei Gefahr oft nicht mehr vollständig ein, sondern bleiben apathisch liegen.
Tiere, die bei geschlossenem Schnee oder starkem Dauerfrost herumlaufen, suchen verzweifelt nach Nahrung. In diesen Ausnahmefällen ist der Kontakt zu einer anerkannten Igelstation oder einer Tierarztpraxis zwingend erforderlich.
Natürliche Winterquartiere im Garten anlegen
Ein strukturreicher Naturgarten bietet die beste Lebensgrundlage für den Winterschlaf. Aufgeräumte Gärten ohne Verstecke verhindern, dass Igel eine isolierende Behausung finden.
Laubhaufen unter Hecken und Gehölzen sollten bis zum Frühjahr unberührt bleiben. Das Laub bildet zusammen mit totem Geäst eine isolierende Schicht gegen Bodenfrost.
Gartengeräte wie Motorsensen und Laubsauger stellen im Herbst eine tödliche Gefahr dar. Mähroboter müssen spätestens in der Dämmerung abgeschaltet werden, um schwere Schnittverletzungen zu vermeiden.
Anleitung: Ein katzensicheres Igelhaus aufstellen
Ein künstliches Igelhaus dient als stabiler Ersatz für natürliche Reisighaufen. Der Kasten sollte an einer trockenen, windgeschützten Stelle aufgestellt werden.
- Material: Unbehandeltes Massivholz mit einer Mindestwandstärke von zwei Zentimetern wählen.
- Eingang: Der Einstieg muss exakt zehn mal zehn Zentimeter messen, um Katzen und Hunden den Zutritt zu verwehren.
- Isolierung: Den Innenraum locker mit trockenem Stroh und sauberem Buchenlaub füllen.
- Standort: Den Kasten mit einer Dachpappe gegen Regen abdichten und leicht erhöht auf Steine setzen.
Heu und Textilien dürfen keinesfalls als Nistmaterial verwendet werden. Diese Materialien ziehen Feuchtigkeit an, schimmeln schnell oder verheddern sich in den Stacheln der Tiere.
Zufütterung vor dem Frost richtig durchführen
Bei anhaltendem Bodenfrost und Nahrungsmangel hilft eine kontrollierte Futterstelle im Garten. Die Fütterung dient ausschließlich als Überbrückungshilfe bis zum Beginn des Winterschlafs.
Als Futter eignet sich hochwertiges Katzen-Nassfutter mit hohem Fleischanteil, vermengt mit etwas Weizenkleie oder Haferflocken. Auch ungesalzenes, in Pflanzenöl angebratenes Rührei liefert wertvolle Proteine.
Milch ist für Igel lebensgefährlich, da der enthaltene Milchzucker schwere Darmentzündungen auslöst. Als Getränk darf ausschließlich frisches Wasser in einer flachen Schale serviert werden.
