Italien plant kilometergenaue Bußgelder: 10 Euro pro km/h und Fahrverbot ab 21 km/h zu viel
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Italien überarbeitet seinen Bußgeldkatalog und will Temposünder künftig pro gefahrenem Stundenkilometer zur Kasse bitten.
Italien plant eine grundlegende Reform seines Bußgeldkatalogs. Geschwindigkeitsüberschreitungen sollen künftig kilometergenau abgerechnet werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf des italienischen Verkehrsministeriums liegt derzeit über 100 Verbänden und Branchenvertretern zur Prüfung vor.
Auf Autobahnen sieht das neue Modell pauschal zehn Euro für jedes einzelne km/h über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit vor. Innerorts hängen die Kosten von der Schwere des Verstoßes ab.
Strikte Abrechnung pro km/h: So funktioniert das Rechenmodell
Die Grundlage für die Strafe bildet der Messwert nach Abzug der gesetzlichen Toleranz. In Italien werden standardmäßig fünf Prozent abgezogen, mindestens jedoch 5 km/h.
Wer auf einer Autobahn mit Tempolimit 130 nach Toleranzabzug mit 147 km/h erfasst wird, liegt 17 km/h über dem Limit. Nach den neuen Plänen wird dafür eine Strafe von exakt 170 Euro fällig.
Auf Straßen innerorts mit maximal Tempo 50 gilt eine gestaffelte Regelung: Bis zu einer Überschreitung von 20 km/h fallen fünf Euro pro km/h an. Ab 21 km/h zu viel wird der gesamte Verstoß rückwirkend mit zehn Euro pro km/h berechnet.
Dadurch entsteht ein deutlicher Kostensprung an der 20-km/h-Grenze: Während 20 km/h zu viel innerorts mit 100 Euro geahndet werden, kosten 21 km/h sofort 210 Euro.
Fahrverbote und Punkte: Schärfere Strafen auf Autobahnen
Neben den Geldstrafen verschärft der Entwurf die Fahrverbote auf Schnellstraßen und Autobahnen deutlich. Bereits ab einer Überschreitung von 21 km/h drohen spürbare Konsequenzen für den Führerschein.
- 21 bis 40 km/h zu viel: Vier Punkte Abzug und 15 Tage Fahrverbot
- 41 bis 60 km/h zu viel: Sechs Punkte Abzug und 30 Tage Fahrverbot
- Mehr als 60 km/h zu viel: Acht Punkte Abzug und 90 Tage Fahrverbot
Regelungen im innerstädtischen Verkehr
Im Stadtverkehr bis Tempo 50 greifen Fahrverbote erst bei massiveren Überschreitungen. Bei 21 bis 40 km/h zu viel werden zunächst zwei Punkte fällig.

Ein Fahrverbot setzt innerorts ab mehr als 40 km/h über Limit ein. In diesem Bereich drohen vier Punkte und 15 Tage Verbot, bei über 60 km/h zu viel sind es sechs Punkte und 30 Tage.
Auswirkungen auf Autofahrer aus dem Ausland
Das italienische Punktesystem gilt uneingeschränkt für Fahrer mit ausländischem Wohnsitz. Für jeden Fahrer wird in Italien ein virtuelles Konto mit 20 Punkten geführt. Punkte werden nicht nach Flensburg übertragen, verringern aber das Guthaben auf dem italienischen Konto.
Fahrverbote gelten direkt auf italienischem Staatsgebiet und können künftig von den zuständigen Kontrollbehörden unmittelbar gegen ausländische Führerscheininhaber ausgesprochen werden.
Rechtskräftige italienische Bußgeldbescheide können ab einem Gesamtbetrag von 70 Euro (inklusive Verfahrenskosten) über das Bundesamt für Justiz in Deutschland vollstreckt werden. Der bewährte Rabatt von 30 Prozent bei Zahlung innerhalb von fünf Tagen bleibt voraussichtlich bestehen.
Aktueller Status und bestehende Regeln
Die Gesetzesreform ist noch nicht in Kraft getreten. Ziel der Regierung ist es, die bisher 82 unterschiedlichen Grundbeträge auf rund 21 Sanktionsstufen zu reduzieren. Verbände können bis zum 13. September Änderungsvorschläge einreichen.
Bis zur endgültigen Verabschiedung gilt das bisherige italienische Bußgeldrecht weiter. Aktuell kosten 20 km/h zu viel mindestens 175 Euro, ab 50 km/h Überschreitung beginnen die Sätze bei 545 Euro. Zwischen 22:00 und 07:00 Uhr erhöhen sich diese Mindestbeträge zusätzlich um ein Drittel.
