Joe Kaeser plant nächsten DAX-Konzern: Milliarden-Abspaltung und klare Kante zur Wirtschaft
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Manager Joe Kaeser setzt auf radikale Fokussierung und formt neue Börsenkandidaten.
Joe Kaeser treibt mit der Ausgliederung der Industriesparte von Siemens Energy die Entstehung eines neuen eigenständigen Großunternehmens voran. Der ausgegliederte Bereich erwirtschaftet mit 17.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 5,7 Milliarden Euro und war mit einer operativen Marge von 11,3 Prozent hochprofitabel. Während der Aufsichtsratsvorsitzende den Marktwert der Siemens-Konzernfamilie seit dem Beginn seiner Umbaustrategie von 100 auf rund 350 Milliarden Euro wachsen sah, verbindet er diesen strategischen Schritt mit deutlichen Worten zur Verfassung des Wirtschaftsstandorts.
Die Pläne markieren die Fortsetzung einer langjährigen Linie: Der frühere Siemens-Vorstandsvorsitzende setzt konsequent darauf, Mischkonzerne in spezialisierte, kapitalmarktfähige Einheiten aufzuteilen. Doch warum trennt sich ein Energiekonzern ausgerechnet von einem hochrentablen Geschäftszweig?
Warum Siemens Energy das Industriegeschäft ausgliedert
Der betroffene Geschäftsbereich „Transformation of Industries“ (TI) deckt industrielle Energielösungen ab, darunter Kompressoren und Wasserstoff-Elektrolyseure. Nach Ansicht der Unternehmensführung erfordert dieses Geschäft völlig andere Vertriebsstrukturen und Investitionszyklen als der Bau von Kraftwerken oder Netzinfrastruktur.
Die Trennung soll beiden Segmenten ermöglichen, ohne interne Reibungsverluste zu wachsen und gezielt Kapital für Innovationen aufzunehmen.
„Kompressoren für die Industrie haben mit Kraftwerken und Stromübertragung nichts zu tun. Es geht um eine andere Zyklizität, andere Technologien, andere Menschen, andere Märkte. Gerade wenn ein Bereich sehr viel schneller wächst als der andere, ist es wichtig, den Fokus nicht zu verlieren.“
Nach der geplanten Herauslösung verbleibt bei Siemens Energy das Kerngeschäft rund um Stromerzeugung und Energieübertragung. Das bislang margenschwächere Geschäft mit Elektrolyseuren zur Wasserstoffproduktion wandert im Zuge der Transaktion mit in die neue Einheit.
Vom Industriekonglomerat zur Börsenfamilie
Bereits während seiner Zeit an der Spitze der Siemens AG von 2013 bis 2021 setzte Joe Kaeser auf die Aufspaltung des Münchner Traditionsunternehmens. Aus dem ehemaligen Mischkonzern gingen unter anderem das Medizintechnikunternehmen Siemens Healthineers sowie Siemens Energy hervor, während sich die Muttergesellschaft vor allem auf industrielle Software und Automatisierung konzentrierte.
Im deutschen Leitindex DAX ist der Name Siemens dadurch mehrfach vertreten. Die Marktkapitalisierung der drei Einheiten stieg parallel von 100 auf insgesamt 350 Milliarden Euro, wobei sich der Aktienkurs von Siemens Energy über drei Jahre hinweg zeitweise verzehnfachte.
| Kriterium | Details zur Unternehmenstransformation |
|---|---|
| Ausgegliederter Bereich | Transformation of Industries (TI) |
| Umsatzvolumen TI | 5,7 Milliarden Euro |
| Mitarbeiterzahl TI | Rund 17.000 Beschäftigte |
| Operative Marge TI (2025) | 11,3 Prozent |
| Konzernwert Siemens-Familie | Anstieg von 100 auf 350 Milliarden Euro |
Fokus schlägt schiere Größe
Kritiker warnten in der Vergangenheit wiederholt vor einer Zerschlagung des traditionsreichen Technologiekonzerns. Für den Top-Manager zählt im internationalen Wettbewerb jedoch Spezialisierung mehr als ein unübersichtliches Firmenportfolio.
„Relevanz wird nicht durch Größe bestimmt, sondern dadurch, dass Sie in dem, was Sie tun, ein wichtiger Spieler sind, an dem niemand vorbeikommt.“
Internationale Industriegiganten wie General Electric, United Technologies und Honeywell vollzogen in den vergangenen Jahren vergleichbare Strukturreformen. Die Spezialisierung erlaubt es Analysten und Investoren, Risiken und Chancen der einzelnen Sparten ohne Konglomeratsabschlag zu bewerten.
Kritische Töne zur deutschen Wirtschaftslage
Trotz der Erfolge bei der Umstrukturierung warnt Joe Kaeser mit Nachdruck vor den Rahmenbedingungen in Deutschland. Mit pointierten Aussagen wie „In Deutschland gilt die Wirtschaft nichts“ mahnt er Reformen an, um die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Industrieunternehmen im globalen Umfeld nicht zu gefährden.
Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungsverfahren und politische Unsicherheiten belasten aus seiner Sicht die Attraktivität des Standorts. Um im weltweiten Innovationswettlauf Schritt zu halten, seien mutige Weichenstellungen und Verlässlichkeit erforderlich.
Die geplante Abspaltung der Industriesparte dient damit auch als Absicherung gegen Marktschwankungen – durch schlanke Strukturen und klare Zuständigkeiten.
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