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Kahlschlag bei Volkswagen: 100.000 Stellen fallen weg und 500.000 Autos weniger

Kahlschlag bei Volkswagen: 100.000 Stellen fallen weg und 500.000 Autos weniger Aktuelle News

Kahlschlag bei Volkswagen: 100.000 Stellen fallen weg und 500.000 Autos weniger

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat den sogenannten Zukunftsplan 2030 einstimmig beschlossen. Konzernchef Oliver Blume setzt damit einen beispiellosen Sparkurs durch, der die globale Belegschaft massiv verkleinert.

Weltweit sollen in den kommenden Jahren rund 100.000 Arbeitsplätze gestrichen werden – doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Etwa die Hälfte dieser zusätzlichen Kürzungen entfällt direkt auf deutsche Standorte.

Mehrere Autos stehen hintereinander in einer Fabrik. Ein Arbeiter läuft an ihnen vorbei. Die Autos haben offene Kofferräume.
Mehrere Autos stehen hintereinander in einer Fabrik, während ein Arbeiter vorbeigeht.

Harte Einschnitte im Produktionsnetzwerk

Hinter der Entscheidung stand eine massive Drohkulisse: Die Konzernführung hatte vor dem Treffen mit Werksschließungen an traditionsreichen Standorten wie Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm nach 2030 gedroht. Obgleich diese Schließungen nicht formell besiegelt wurden, stellt der Vorstand die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fabriken weiterhin offen infrage.

Die Gewerkschaft IG Metall hofft dennoch auf Schadensbegrenzung. Christiane Benner, IG-Metall-Chefin und Vizevorsitzende des Aufsichtsrats, betonte im ZDF-„heute journal“, die Zahl von 25.000 zusätzlich bedrohten Stellen in Deutschland sei hoffentlich „nicht in Stein gemeißelt“.

Die Kernpunkte des Sparprogramms

  • Rendite: Der operative Gewinn soll von zuletzt 3,8 Prozent im ersten Halbjahr auf 9 Prozent im Jahr 2030 steigen.
  • Produktion: Die europäischen VW-Werke fertigen künftig 500.000 Fahrzeuge pro Jahr weniger.
  • Budgetkürzung: Die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Sachanlagen werden bis 2031 auf 135 Milliarden Euro gedeckelt.
  • Modellpalette: Das Angebot über alle Konzernmarken hinweg wird bis 2035 halbiert, insbesondere bei Verbrennern.
  • Konzernstruktur: Weitere Unternehmensbeteiligungen werden veräußert, um Abläufe zu straffen.

Sorge vor dem Verlust von technologischem Wissen

Ökonomen und Branchenkenner äußern schwere Bedenken an der langfristigen Ausrichtung. Maximilian Paleschke von der Denkfabrik Dezernat Zukunft spricht von einem bloßen „Gesundschrumpfen“, das lediglich das bisherige Bestandsgeschäft absichere, statt echte Innovationsführerschaft aufzubauen.

Besonders am Standort Zwickau, der seit 1904 Automobile fertigt und 2020 zum reinen E-Auto-Werk umgebaut wurde, wiegt die Unsicherheit schwer. Ann Hipp, Innovationsökonomin am Thünen-Institut, warnt vor den Folgen für die regionalen Strukturen.

„In der Region wurde jahrzehntelang eine technologische Wissensbasis aufgebaut“, erklärt Hipp. Eine Schließung vernichte nicht nur Standorte, sondern gewachsene Zulieferernetzwerke, was sich im internationalen Wettbewerb bitter rächen könne.

Wettbewerbsdruck aus China und den USA

Während US-Konzerne bei der Software dominieren und chinesische Hersteller im Elektrosegment mit staatlicher Unterstützung davonziehen, fehlt es VW laut Experten an offensiven Investitionen in Kernbereiche wie neue Batterietechnologien, Recycling oder autonomes Fahren.

Um bedrohte Standorte zu retten, kursieren bereits Alternativszenarien. Diskutiert werden die Fertigung klimafreundlicher Elektrobusse, Ansiedlungen chinesischer Partner oder Umrüstungen für die Rüstungsindustrie.