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KI-Training für 10 Millionen Dollar: Google kauft interne Daten der Spirit-Airline

Symbolbild eines Daten-Servers oder einer Fluggesellschaft Aktuelle News

Google sichert sich im Insolvenzverfahren den Zugriff auf gewaltige Mengen interner Unternehmensdaten.

Ein Deal für das KI-Training

Google hat die Insolvenzauktion für die internen Daten der zusammengebrochenen US-Billigfluggesellschaft Spirit Airlines gewonnen. Der Kaufpreis liegt bei zehn Millionen Dollar. Das Paket umfasst nach bisherigen Informationen rund 100 Millionen E-Mails, 500 Millionen Teams-Chats sowie eine Vielzahl interner Unterlagen. Die finale Genehmigung durch das Insolvenzgericht in New York steht noch aus.

Der Zukauf unterstreicht den massiven Wettbewerb um hochwertige, nicht öffentliche Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz. Google hat bereits angekündigt, die Daten vor der weiteren Verwendung durch einen externen Dienstleister von personenbezogenen Identifikatoren bereinigen zu lassen. Ob dies den strengen europäischen Datenschutzstandards entspricht, bleibt abzuwarten.

Was vom Kauf ausgeschlossen ist

Für ehemalige Passagiere der Airline gibt es Entwarnung: Die großen Kundendatenbanken und Loyalty-Programme, darunter etwa 97,5 Millionen Passagierprofile sowie Kreditkartendaten, sind nach aktuellen Berichten nicht Teil des Verkaufs. Dennoch ist das Paket datenschutzrechtlich sensibel.

Gerichtsakten legen nahe, dass auch Kundenkommunikation wie Service-Anrufe, Chat-Protokolle und Support-Tickets enthalten sind. Zudem umfasst der Datensatz Informationen zu mehr als 175.000 Mitarbeitern. Der Datenschutz löst sich hier nicht in Luft auf; er verlagert sich lediglich in den Zuständigkeitsbereich des Käufers.

Pseudonymisierung vs. Anonymisierung

Laut den Bedingungen sollen Identifikatoren zwar entfernt werden, die Verknüpfungen zwischen den Datensätzen bleiben jedoch bestehen. Datenschutzrechtlich markiert dies einen entscheidenden Unterschied. Wenn Bezüge zwischen E-Mail, Support-Ticket und Personalakte gewahrt bleiben, handelt es sich eher um eine Pseudonymisierung als um eine vollständige Anonymisierung.

Solange entpersonalisierte Vorgänge an demselben Datensatz hängen, bleiben charakteristische Verhaltensmuster erhalten. Diese Muster sind es, die eine spätere Re-Identifizierung von Individuen ermöglichen können.

Risiken durch Re-Identifizierung

Studien belegen seit Jahren, dass das bloße Entfernen von Namen keine Sicherheit bietet. Die Harvard-Forscherin Latanya Sweeney wies bereits im Jahr 2000 nach, dass 87 Prozent der US-Bevölkerung allein durch Postleitzahl, Geburtsdatum und Geschlecht identifizierbar sind. Auch bei komplexeren Verhaltensdaten, wie sie in Anrufprotokollen oder Transaktionslisten enthalten sind, reicht oft wenig Zusatzwissen aus, um Anonymisierungen auszuhebeln.

KI-Training für 10 Millionen Dollar: Google kauft interne Daten der Spirit-Airline

Es existieren zwar Verfahren wie Differential Privacy, die statistische Auswertungen mit formalisierbaren Schutzgarantien ermöglichen. Ob Google diese Techniken auf den Spirit-Datensatz anwendet, ist bislang nicht bekannt.

Datenhunger ohne Reinigung

Der Umgang mit KI-Trainingsdaten variiert stark. Während bei den Spirit-Daten zumindest eine Reinigung der Identifikatoren versprochen wird, verzichten andere Akteure darauf vollständig. So hat etwa Anthropic in großem Stil Bücher aufgekauft, diese physisch zerschnitten und die Inhalte ohne Anonymisierung in KI-Modelle eingespeist – ungeachtet der enthaltenen biografischen Daten über echte Personen.

Ein US-Gericht entschied im Juni 2025 dazu gemischt: Die Nutzung rechtmäßig erworbener Printwerke wurde gebilligt, während Fragen zur Urheberrechtsverletzung bei piratisierten Quellen offenblieben. Der Datenschutz war dabei jedoch kein zentraler Prüfpunkt.

Die Rolle der DSGVO

Ein in den USA als zulässig eingestufter Datenkauf bedeutet nicht automatisch, dass er vor der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Bestand hat. Die DSGVO greift, wenn Daten von Personen in der EU verarbeitet werden oder wenn Unternehmen hier Niederlassungen unterhalten. Ob dies im speziellen Fall von Spirit Airlines zutrifft, ist eine Frage der rechtlichen Einzelfallprüfung.

Der Wettlauf um die leistungsfähigsten KI-Modelle ist längst ein Wettlauf um die Datenhoheit. Die beiden Fälle – Spirit Airlines und der Buchhandel – zeigen, dass es bei den Versprechen der Unternehmen weniger auf die Ankündigung der Anonymisierung ankommt, als auf deren tatsächliche Umsetzung.