Klimaziel verfehlt: UNEP-Bericht prognostiziert Erwärmung um bis zu 2,2 °C
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Klimaziel verfehlt: UNEP-Bericht prognostiziert Erwärmung um bis zu 2,2 °C
Im Jahr 2024 lag die globale Durchschnittstemperatur erstmals für ein volles Kalenderjahr um 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Das Pariser Klimaabkommen ist damit formell noch nicht gebrochen, da es sich auf langfristige Mittelwerte über mehrere Jahrzehnte bezieht. Ein Weckruf ist es dennoch.
Laut dem Bericht Limiting Overshoot des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) lässt sich ein Überschreiten der Schwelle kaum noch abwenden. Selbst bei vollständiger Umsetzung aller nationalen Klimaschutzpläne und Netto-Null-Zusagen steuert die Erde auf eine Temperaturspitze von zentral 1,8 °C zu – mit einer Spanne zwischen 1,7 und 2,2 °C.
Das Prinzip des Overshoot
Fachleute sprechen von einem sogenannten Overshoot: Die Temperaturen klettern über 1,5 °C hinaus, erreichen einen Höchststand und sinken im Idealfall durch drastische Maßnahmen wieder ab. Dieser Rückweg ist jedoch keineswegs garantiert.
Nach Schätzungen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) liegt die Wahrscheinlichkeit bei 91 Prozent, dass mindestens ein Jahr im Zeitraum von 2026 bis 2030 die 1,5-Grad-Marke überschreitet. Zu 75 Prozent wird dies sogar für das gesamte Fünfjahresmittel erwartet.
Fatale Folgen für Mensch und Ökosysteme
Jedes Zehntelgrad entscheidet über das Ausmaß extremer Wetterereignisse. Hitzeperioden mit außergewöhnlich hoher Sterblichkeit, die um das Jahr 2000 noch als Jahrhundert-Ereignisse galten, traten 2020 bereits alle zehn bis zwanzig Jahre auf. Bei einer Erwärmung zwischen 1,5 und 2 °C drohen sie zur Normalität zu werden.
Die Belastungen treffen die Bevölkerung ungleich: Alter, Einkommen, Wohnverhältnisse und der Zugang zu gekühlten Räumen oder medizinischer Versorgung bestimmen über das individuelle Risiko. Gleichzeitig verstärken Dürren und Ernteausfälle den Druck auf Ernährungssysteme weltweit.
Technologische Grenzen und irreversible Schäden
Um die Temperaturkurve langfristig wieder zu senken, sind neben sofortigen CO₂- und Methanreduktionen auch Technologien zur CO₂-Entnahme nötig. Der UNEP-Bericht stellt jedoch klar: Das Entfernen von Kohlendioxid aus der Atmosphäre kann reale Emissionssenkungen nicht ersetzen. Selbst unter optimistischen Annahmen lassen sich dadurch bis zum Ende des Jahrhunderts lediglich wenige Zehntelgrad zurückgewinnen.
Zudem hinterlässt die temporäre Überhitzung dauerhafte Spuren. Selbst wenn das Thermometer später wieder fällt: Abgeschmolzene Gletscher, veränderte Küstenlinien und kollabierte Ökosysteme kehren nicht automatisch in ihren ursprünglichen Zustand zurück.
