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Knapp 44.000 Tote im Jahr: Warum die Hälfte aller Infarkt-Patienten die Klinik nie erreicht

Notarztwagen im Einsatz bei einem akuten Herzinfarkt Aktuelle News

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt zählt jede Minute: Kardiologen raten bei Schmerzen sofort zum Notruf 112.

Ein stechender Druck im Brustkorb, der in Schultern und Kiefer ausstrahlt, begleitet von Todesangst: Kardiologe Thomas Meinertz spricht im Podcast der Deutschen Herzstiftung von einem „Vernichtungsschmerz“. Betroffene erleben ein extremes Krankheitsgefühl, das sich oft mit kaltem Schweiß und Übelkeit ankündigt.

Laut dem aktuellen Deutschen Herzbericht starben im Jahr 2023 knapp 44.000 Menschen in Deutschland an einem akuten Herzinfarkt. Ein Großteil dieser Todesfälle ereignet sich noch vor dem Erreichen einer Notaufnahme.

Zu langes Zögern verhindert rechtzeitige Rettung

„Die 50 Prozent Todesfälle bei den Infarkten kommen eben, weil man zu Hause zu lange gewartet hat“, erklärt Meinertz. Oft drängen Angehörige zum Handeln, während die Betroffenen die Lage verharmlosen und nicht ins Krankenhaus möchten.

Thomas Voigtländer, Kardiologe und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, betont: Warnzeichen kündigen sich oft Tage oder Wochen im Voraus an. Wer die Signale frühzeitig erkennt, kann schwere Folgeschäden oder einen tödlichen Verlauf verhindern.

Typische Alarmsignale eines Herzinfarkts

Die Deutsche Herzstiftung rät dazu, bei folgenden Beschwerden unverzüglich den Notruf 112 zu wählen:

Knapp 44.000 Tote im Jahr: Warum die Hälfte aller Infarkt-Patienten die Klinik nie erreicht
  • Starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die in Ruhe länger als fünf Minuten anhalten
  • Ausstrahlende Schmerzen in den linken Arm, den Oberbauch, den Rücken, den Hals oder den Kiefer
  • Massives Engegefühl oder extremer Druck auf dem Brustkorb („Elefant auf der Brust“)
  • Heftiges Brennen in der Brust, das leicht mit Sodbrennen verwechselt werden kann

Untypische Symptome bei Frauen

Bei Frauen äußert sich ein Infarkt häufig anders als bei Männern. Statt des klassischen Brustschmerzes stehen oft Atemnot, Übelkeit sowie Schmerzen im Oberbauch und im Rückenbereich im Vordergrund.

Bekannte Risikofaktoren im Überblick

Gefäßverschlüsse entstehen meist schleichend über Jahre hinweg. Zu den wesentlichen Auslösern gehören:

  • Hohe LDL-Cholesterinwerte
  • Unbehandelter Bluthochdruck
  • Rauchen und Alkoholkonsum
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Dauerhafter Stress und unausgewogene Ernährung

Erste Hilfe bis zum Eintreffen des Notarztes

Besteht der Verdacht auf einen Infarkt, muss sofort die 112 gerufen werden. „Es ist nicht so schlimm, wenn sich dann herausstellt in der Klinik: Es war gar kein Infarkt. Da schimpft niemand“, stellt Meinertz klar.

Angehörige sollten Ruhe bewahren und den Betroffenen nicht allein lassen. Der Patient sollte mit leicht erhöhtem Oberkörper bequem gelagert werden, während beengende Kleidung an der Brust gelockert wird.