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Kontakte zur Remmo-Familie: Linken-Abgeordneter Ferat Kocak zieht Konsequenzen

Ferat Koçak im Deutschen Bundestag Aktuelle News

Ferat Kocak lässt nach Kritik an Kontakten zur Remmo-Familie seine Parlamentsfunktionen ruhen.

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak (Die Linke) lässt seine parlamentarischen Funktionen und seine Ausschussarbeit vorerst ruhen. Grund für diesen Schritt ist heftige Kritik an Kontakten in das Milieu der organisierten Kriminalität, konkret zur Berliner Großfamilie Remmo. Die Entscheidung folgt auf das Bekanntwerden privater Chatverläufe sowie den Besuch eines Clan-Mitglieds bei einer Partei-Veranstaltung.

Linken-Ko-Fraktionschef Sören Pellmann bestätigte den temporären Rückzug in Berlin. Der Schritt gelte insbesondere für die Teilnahme an Sitzungen des Bundestags-Innenausschusses, bis eine lückenlose Aufklärung und vollständige Transparenz gewährleistet seien.

Ferat Koçak, Linke, spricht im März 2026 bei der 67. Sitzung im Bundestag. (Quelle: Picture Alliance/dts Nachrichtenagentur)
Ferat Koçak bei einer Rede im Deutschen Bundestag.

Wahlparty und Chat-Screenshots: Die Hintergründe des Konflikts

Die Debatte entzündete sich an zwei aufeinanderfolgenden Vorfällen im Bezirk Neukölln. Zunächst tauchte auf einer Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands ein führendes Mitglied der Remmo-Familie auf. Die Partei stellte umgehend klar, dass weder persönliche noch politische Beziehungen zu der Person bestünden und diese nicht auf der offiziellen Gästeliste stand.

Kurz darauf kursierte der Screenshot eines Chats zwischen dem Bundestagsabgeordneten und einem weiteren Angehörigen der Familie im Netz. In der Nachricht übermittelte Kocak respektvolle Grüße an den Vater des Kontakts und bat darum, eine seiner Reden weiterzuverbreiten.

„Ferhat Kocak hat uns mitgeteilt, dass er sich bis auf weiteres, bis volle Transparenz hergestellt ist, zurückziehen wird. Das warten wir ab.“

Erklärung des Abgeordneten: Entschuldigung und Aufarbeitung

Nach Bekanntwerden der Nachrichten meldeten sich zahlreiche Bundes- und Landespolitiker mit scharfer Kritik und Rücktrittsforderungen zu Wort. Kocak reagierte öffentlich auf den Vorwurf und räumte ein Fehlverhalten bei der Kommunikation ein.

„Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen. Ich verstehe, dass schon der Anschein solcher Nähe lückenlos ausgeräumt werden muss.“

Zur Einordnung erklärte der Politiker, dass er wöchentlich mit Hunderten Bürgerinnen und Bürgern aus seinem Wahlkreis kommuniziere. Die Identität des Chatpartners sei ihm zum Zeitpunkt der ersten Begrüßung nicht bewusst gewesen. Dass er diesem nach Kenntnis der Hintergründe dennoch eine Parlamentsrede zur Verbreitung weiterleitete, bezeichnete er als klaren Fehler.

Struktur und Vorgeschichte der Remmo-Großfamilie

Die arabischstämmige Großfamilie Remmo kam in den 1980er Jahren aus dem Libanon nach Berlin und umfasst heute mehrere Hundert Angehörige über Generationen hinweg. Vor allem junge Männer aus dem Familienkreis wurden in der Vergangenheit wegen diverser Gewalttaten und schwerer Straftaten rechtskräftig verurteilt – darunter der spektakuläre Diebstahl einer schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum.

Kontakte zur Remmo-Familie: Linken-Abgeordneter Ferat Kocak zieht Konsequenzen

Faktencheck: Wahrnehmung gegen Realität

In der öffentlichen Debatte kursieren häufig Missverständnisse über offizielle Parteiabsprachen und persönliche Kontakte von Mandatsträgern.

  • Mythos: Das Mitglied der Großfamilie war offizieller Gast der Partei auf der Veranstaltung.
  • Fakt: Der Bezirksverband Neukölln stellte fest, dass die Person nicht auf der Einladungsliste stand und keine institutionellen Beziehungen existieren.
  • Mythos: Der Abgeordnete bestreitet jeglichen Austausch mit der Familie.
  • Fakt: Kocak räumte den Chatverlauf transparent ein, bat um Entschuldigung und kündigte eine umfassende Prüfung seiner Kommunikationsabläufe an.
Kriterium Faktenlage
Betroffener Abgeordneter Ferat Kocak (MdB, Die Linke)
Wahlkreis Berlin-Neukölln (Direktmandat seit 2025)
Betroffenes Gremium Bundestags-Innenausschuss
Status der Funktionen Vorübergehend ruhend gestellt
Ziel der Fraktion Vollständige interne Transparenz

Politischer Werdegang und das Neuköllner Direktmandat

Vor seinem Einzug in das Bundesparlament saß Kocak von 2021 bis 2025 im Berliner Abgeordnetenhaus. Bei der Bundestagswahl 2025 gelang ihm ein historischer Erfolg für seine Partei: Er gewann das Direktmandat in Neukölln und errang damit den ersten Wahlkreissieg für Die Linke in den westlichen Bundesländern.

Frankfurt an der Oder, Staatsanwaltschaft. (Quelle: imago images/Handelmann)
Gebäude der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder).

💡 Die lückenlose Aufarbeitung des Kommunikationsverhaltens soll klären, in welchem Rahmen der Berliner Abgeordnete seine Arbeit im Bundestag künftig wieder vollumfänglich aufnehmen kann.

🔍 Für politische Mandatsträger verdeutlicht der Fall die enormen Anforderungen an die Sorgfaltspflicht im direkten Dialog mit der Wählerschaft.

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