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Krafttraining ab 60: Warum 60 Prozent der Armmuskeln oft falsch trainiert werden

Frau beim Krafttraining der Armmuskulatur Aktuelle News

Gezieltes Armtraining stärkt Gelenke und Haltung im Alter.

Der Abbau von Muskelmasse beginnt schleichend ab dem 30. Lebensjahr und beschleunigt sich ab den 40ern spürbar. Wer im Alter von über 60 Jahren trainiert, kämpft oft gegen sogenannte Winkearme. Doch der Aufbau der Armmuskulatur ist weit mehr als reine Ästhetik.

Fitness-Experte Álvaro Puche hebt hervor, dass gestärkte Arme maßgeblich zur funktionellen Mobilität und körperlichen Unabhängigkeit beitragen. Das richtige Training schützt Gelenke und beugt Fehlhaltungen vor.

Der Trizeps macht 60 Prozent des Arms aus

Häufig liegt der Trainingsfokus auf dem Bizeps, obwohl dieser nur etwa 40 Prozent der Muskelmasse des Oberarms stellt. Ganze 60 Prozent entfallen auf den Trizeps (Musculus triceps brachii). Um weichem Gewebe effektiv entgegenzuwirken, müssen alle drei Köpfe des Muskels – der lange (Caput longum), der äußere (Caput laterale) und der innere Kopf (Caput mediale) – beansprucht werden.

Puche rät von Trizepsübungen im Liegen ab. Deutlich effektiver sind stehende, einarmige Druckübungen mit gebeugter, neutraler oder nach hinten gestreckter Schulterposition. Diese Varianten fordern gleichzeitig die Bauchmuskeln, die Körperhaltung und den Beckenboden.

Bizeps und Rotatoren: Die Haltung entscheidet

Beim Bizeps (Musculus biceps brachii) ist die Übungsauswahl entscheidend. Ein einseitiges Training des kurzen Kopfes zieht die Schultern nach vorne und fördert einen Rundrücken. Daher sollte der Fokus auf dem langen Bizepskopf liegen, der als Außenrotator fungiert und den Brustkorb öffnet.

Eine alltagstaugliche Übung hierfür sind Kniebeugen mit fixierten, weit nach hinten geführten Ellbogen unter Zuhilfenahme eines Widerstandsbandes oder eines beladenen Rucksacks. Das trainiert genau jene Bewegungsmuster, die beim Heben von Einkaufstaschen oder dem Öffnen schwerer Türen gefragt sind.

Krafttraining ab 60: Warum 60 Prozent der Armmuskeln oft falsch trainiert werden

Ebenso unverzichtbar sind die Fingerbeuger für eine starke Griffkraft sowie die Muskeln der Rotatorenmanschette. Eine ausgeprägte Griffkraft gilt in der Medizin als verlässlicher Indikator für allgemeine Gesundheit und Vitalität im Alter.

Sturzschutz und Gelenkstabilität

Kräftige Arme stabilisieren die Ellbogen- und Schultergelenke dauerhaft gegen Überlastung. Im Falle eines Sturzes federt eine trainierte Muskulatur die Aufprallenergie ab und senkt das Risiko schwerer Knochen- und Gelenkverletzungen erheblich.

Zudem belegen Studien, dass der Erhalt funktioneller Muskelmasse direkt mit kognitiver Leistungsfähigkeit, Herz-Kreislauf-Gesundheit und einer höheren Knochendichte zusammenhängt.

Trainingsumfang und Progression

Um spürbare Anpassungen zu erzielen, empfehlen Sportmediziner und Krankenkassen wie die AOK gesunden älteren Menschen drei bis vier Krafttrainingseinheiten pro Woche mit jeweils einem Ruhetag dazwischen.

  • Volumen: Drei bis vier Sätze mit jeweils rund zehn Wiederholungen pro Muskelgruppe.
  • Intensität: Einsteiger starten mit moderatem Widerstand und steigern sich kontinuierlich.
  • Anpassung: Nach sechs bis acht Wochen sollte das Trainingsgewicht überprüft und an das gestiegene Kraftniveau angepasst werden.