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Kühlen mit 20 Grad warmem Wasser: Zürcher Altbau senkt Heizenergie um zwei Drittel

Moderne Konvektoren anstelle alter Heizkörper unter dem Fenster Aktuelle News

Moderne Konvektoren ersetzen klassische Heizkörper und kühlen Räume im Sommer energieeffizient.

Massive Wände von Altbauten speichern im Sommer die Tageshitze und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Mobile Klimageräte arbeiten durch den obligatorischen Abluftschlauch am Fenster meist ineffizient und treiben die Stromrechnung in die Höhe. Ein saniertes Gebäude in Zürich demonstriert einen alternativen Weg: Die Heizinfrastruktur übernimmt im Sommer die Raumkühlung.

Wassergeführte Konvektoren ersetzen alte Heizkörper

Bei der Sanierung des Zürcher Bürogebäudes wurden die traditionellen Heizkörper unter den Fenstern demontiert. An deren Stelle traten kompakte Konvektoren mit Aluminiumlamellen, an denen integrierte Ventilatoren die Raumluft vorbeiführen.

In den Sommermonaten durchströmt Wasser mit einer Vorlauftemperatur von rund 20 Grad Celsius das System. Diese Temperatur ist bewusst gewählt: Sie reicht aus, um die Büros spürbar abzukühlen, verhindert aber gleichzeitig die Entstehung von schädlichem Kondenswasser an den Bauteilen.

Ergänzt wird das Konzept durch eine passive Frischluftzufuhr. Frische Luft strömt durch gezielte Wandöffnungen ein und wird oberhalb der Türen wieder abgesaugt, wodurch aufwendige Lüftungsrohre an den Decken überflüssig wurden.

Niedrige Systemtemperaturen im Winterbetrieb

Im Winter nutzt das Gebäude dieselben Konvektoren zum Heizen. Durch die verbesserte Gebäudedämmung reicht nun eine Vorlauftemperatur von etwa 26 Grad Celsius aus, um die Räume warmzuhalten.

Die Verbrauchsdaten belegen die Effizienz des Umbaus: Der Bezug von Fernwärme sank um rund zwei Drittel. Die Stromkosten für den Betrieb der Kühlung belaufen sich auf etwa 2100 Euro pro Jahr, wobei eine Photovoltaikanlage auf dem Dach einen Teil dieser Energie direkt vor Ort erzeugt.

Kühlen mit 20 Grad warmem Wasser: Zürcher Altbau senkt Heizenergie um zwei Drittel

Sanierte Gebäudehülle bleibt zwingende Voraussetzung

Matthias Sulzer, Experte für Gebäudetechnik an der Forschungsanstalt Empa, betont, dass eine solche Umstellung zwingend an eine gedämmte Fassade und moderne Fenster gekoppelt ist. Ohne diese Maßnahmen würde zu viel Wärme eindringen und das System überlasten.

Auf dem Dach des Zürcher Objekts entzieht eine zentrale Kältemaschine dem Kreislauf die Wärme. Vier Industrieventilatoren blasen die dabei entstehende Abluft mit knapp 40 Grad Celsius nach außen ab. Laut Sulzer erzeugt dieses Zentralsystem zwar ebenfalls Abwärme, arbeitet im Quartier aber weitaus effizienter als Dutzende individuelle Split-Klimageräte.

Verschattung reduziert die thermische Last vorab

Gebäudetechniker Beat Kegel verweist auf die Hebelwirkung von baulichem Wärmeschutz. Außenliegende Rollläden, Fensterläden oder Markisen verhindern das Eindringen der Sonnenstrahlung, bevor technische Systeme anspringen müssen.

In ungedämmten Altbauten klettern die Innentemperaturen in Hitzeperioden oft über Wochen auf mehr als 30 Grad Celsius. Für Sulzer verschiebt sich die energetische Priorität in Städten grundlegend: Im sanierten Zürcher Gebäude übersteigt der jährliche Kühlaufwand inzwischen den Heizbedarf, weshalb Fernkältenetze künftig dieselbe Bedeutung einnehmen dürften wie klassische Wärmenetze.