Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: 800 ausländische Reporter blicken auf mögliches AfD-Ergebnis
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AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei einem Wahlkampfauftritt in Sachsen-Anhalt.
Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zieht weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Rund 800 Journalisten von etwa 70 ausländischen Medienhäusern haben sich für den Wahltag in Magdeburg akkreditiert, darunter Reporter aus den USA, China und Taiwan.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkampf.
Internationale Beobachter werten das Erstarken des als gesichert rechtsextrem eingestuften Landesverbands als Seismograf für ganz Europa. Die spanische Tageszeitung El País bezeichnet die hohen Umfragewerte als klares Symptom für die Frustration über strategische Fehlentscheidungen der Bundespolitik – insbesondere die Abhängigkeit von russischer Energie und US-Militär sowie die Handelsbeziehungen zu China.
Internationale Medien warnen vor historischem Bruch
Sogar der US-Sender Fox News stuft eine mögliche Regierung unter AfD-Führung als beispiellos ein. Ein solcher Erfolg einer Partei außerhalb des traditionellen Spektrums sei das erste Ereignis dieser Art seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Die britische Zeitung The Guardian richtet den Fokus auf die Bundespolitik: Ein Wahlsieg der AfD könnte für CDU-Chef Friedrich Merz die schwerste Belastungsprobe seiner Amtszeit bedeuten. Auch die niederländische Zeitung De Telegraaf analysiert die komplizierte Regierungsbildung, da Koalitionen mit der AfD ausgeschlossen bleiben.
Sicherheitsbedenken im Nachbarland Polen
In Polen löst die Ausrichtung der ostdeutschen AfD direkte Sicherheitsbedenken aus. Grund dafür ist die ausgeprägte Nähe weiter Teile der Partei zu Russland.
Patrycja Tepper von der Posener Denkfabrik Institut für Weststudien betont: „Wenn in Deutschland Radikale zulegen und diese Leute auch noch Russland nahe stehen, dann muss das Polen interessieren.“ Die Haltung der AfD stelle ein direktes Risiko für die Sicherheit der östlichen Nachbarländer dar.
Patriotische Wahlversprechen treffen auf Wirtschaftsrealität
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wirbt unter dem Slogan „Deutsch denken“ für eine völkisch-patriotische Ausrichtung. Geplant sind unter anderem ein Herkunftssiegel „Hergestellt in Sachsen-Anhalt“ und die Streichung sämtlicher Werbeetats für EU- und Weltoffenheitskampagnen.
Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten des Statistischen Landesamts Sachsen-Anhalt zeichnen jedoch ein anderes Bild. Im Jahr 2025 besaßen rund 69.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Bundesland keinen deutschen Pass – das entspricht etwa acht Prozent der gesamten Arbeiterschaft.
Zudem überstieg die Zahl der Zuzüge nach Sachsen-Anhalt mit etwa 33.000 Personen die Zahl der Fortzüge (rund 24.000). Wirtschaftsverbände warnen vor diesem Hintergrund, dass eine Rhetorik der Abschottung den dringenden Fachkräftezuzug und den Tourismus nachhaltig schwächen wird.
Die Blockade bei der Regierungsbildung
Erreicht die AfD keine absolute Mehrheit, droht dem Bundesland eine monatelange Hängepartie. Siegmund lehnt Koalitionen ab, und die demokratischen Parteien halten an der Brandmauer fest.
Sollte das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, bliebe CDU-Ministerpräsident Sven Schulze rechnerisch kaum ein Ausweg: Eine CDU-geführte Minderheitsregierung wäre zwingend auf die Stimmen der Linken angewiesen – ein Szenario, das die CDU-Bundesführung unter Merz strikt ablehnt.

