Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD holt 43,8 Prozent – Rekordbeteiligung von 77,8 Prozent
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Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD holt 43,8 Prozent – Rekordbeteiligung von 77,8 Prozent
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat das politische Gefüge im Land grundlegend verschoben. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erzielte nach dem vorläufigen Ergebnis 43,8 Prozent der Stimmen.
Ulrich Siegmund bei der Wahlparty der AfD Sachsen-Anhalt.
Mit 39 Sitzen verfehlt die Partei die absolute Mehrheit im Landtag um drei Mandate. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze fiel auf 17,2 Prozent zurück. Dahinter folgen SPD (9,3 Prozent), Grüne (8,9 Prozent), Die Linke (8,6 Prozent) und das BSW (5,3 Prozent). Die FDP verpasste mit 2,6 Prozent den Einzug ins Parlament.
Monitore mit Hochrechnungen am Wahlabend.
Historische Wahlbeteiligung und regionale Extreme
Mit 77,8 Prozent verzeichnete Sachsen-Anhalt die höchste Wahlbeteiligung bei einer Landtagswahl seit der Wiedervereinigung. Der bisherige Höchststand von 1998 lag bei 71,5 Prozent. Laut Analysen mobilisierte die AfD vor allem frühere Nichtwähler.
Stimmabgabe an einer Wahlurne in Sachsen-Anhalt.
Spitzenreiter bei der Wahlbeteiligung waren Eichstedt in der Altmark mit 88 Prozent und Schönburg im Burgenlandkreis mit 87 Prozent. In Schnaudertal sicherte sich die AfD mit fast 65 Prozent ihr stärkstes Ergebnis, während sie in Halle bei knapp 30 Prozent lag.
Übersicht über die regionalen Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt.
Die CDU holte in Steigra im Saalekreis mit gut 23 Prozent ihren Bestwert. Die Grünen erzielten in Halle über 20 Prozent, während das BSW in Loitsche-Heinrichsberg (Börde) mit 8,5 Prozent seinen Höchstwert verbuchte.
Stimmzettelumschläge vor der Stimmenauszählung.
Stimmverhalten der Erst- und Jungwähler
Bei den 18- bis 24-Jährigen brach die CDU fast vollständig ein und erreichte nur knapp die Fünf-Prozent-Marke. Die AfD war mit 41 Prozent auch in dieser Gruppe stärkste Kraft.
Die Linke erreichte bei den jungen Wählern rund 15 Prozent, die Grünen kamen auf 14 Prozent – beide Parteien schnitten in dieser Generation deutlich stärker ab als im Gesamtergebnis.
Gelbe Wahlurne für die Landtagswahl.
Machtkampf um die Regierungsbildung
AfD-Spitzenkandidat Siegmund kündigte an, Gespräche zur Regierungsbildung aufzunehmen. Co-Parteichef Tino Chrupalla erklärte, die Partei werde Gesprächsangebote an alle Landtagsfraktionen richten.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund.
BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze kündigte im Deutschlandfunk an, sich an keiner „Brandmauer-Koalition“ zu beteiligen. Seine Fraktion wolle sich im dritten Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten enthalten. In diesem Wahlgang genügt die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen, was einem AfD-Kandidaten den Weg ins Amt ebnen könnte. Zudem plane das BSW einen eigenen, überparteilichen Personalvorschlag.
Grafische Darstellung einer Wahlurne.
Reaktionen aus Bundespolitik und Ländern
CSU-Chef Markus Söder bezeichnete das Ergebnis im Bayerischen Rundfunk als „Epochenbruch“ und „Denkzettelwahl“ für die Bundesregierung. Er forderte schnellere Reformen und warnte die CDU davor, um jeden Preis eine Regierung zu bilden.
Ministerpräsident Sven Schulze im Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz.
Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte Bundeskanzler Friedrich Merz gegen parteiinterne Kritik und schloss jede Zusammenarbeit mit der AfD aus. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mahnte, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen und nicht zur Tagesordnung überzugehen.
Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt bei einer Konferenz der ostdeutschen Regierungschefs.
Die Spitzen der Bundesparteien luden für den Montag zu separaten Beratungen nach Berlin. Neben Alice Weidel und Tino Chrupalla traten Ines Schwerdtner (Linke), Lars Klingbeil (SPD), Felix Banaszak (Grüne) und FDP-Chef Wolfgang Kubicki vor die Presse.
Besorgnis bei Kirchen und Wirtschaftsvertretern
Die christlichen Kirchen zeigten sich tief besorgt über den Ausgang. Die Bischöfe Friedrich Kramer und Gerhard Feige sowie Kirchenpräsident Karsten Georg Wolkenhauer warnten vor einer Gefährdung des sozialen Friedens. Die AfD hatte zuvor Einsparungen bei Kirchenmitteln gefordert.
Ökonomen wie Ralph Solveen (Commerzbank) und Carsten Brzeski (ING) rechnen vor allem mittelfristig mit Belastungen für den Wirtschaftsstandort, insbesondere durch schwierigere Regierungsbildungen. DIW-Präsident Marcel Fratzscher wertete das Ergebnis als klares Misstrauensvotum gegen die Bundespolitik.










