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Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Über 6.000 Menschen demonstrieren in Magdeburg vor Urnengang

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Über 6.000 Menschen demonstrieren in Magdeburg vor Urnengang Aktuelle News

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Über 6.000 Menschen demonstrieren in Magdeburg vor Urnengang

Unmittelbar vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben in Magdeburg Tausende Menschen für eine weltoffene Gesellschaft und den Erhalt demokratischer Werte demonstriert. Bereits vor dem offiziellen Beginn des Demokratiefestivals auf dem Domplatz zählte die Polizei rund 6.000 Teilnehmer bei verschiedenen Zubringerdemonstrationen.

Hinter der Großveranstaltung steht ein breites Bündnis aus mehr als 300 zivilgesellschaftlichen Organisationen und über hundert Einzelpersonen. Auf der Bühne traten Musiker wie Berq, Kerstin Ott, Sebastian Krumbiegel und die Band Juli auf, begleitet von Reden von Luisa Neubauer und der Publizistin Carolin Emcke.


Konzertauftritt während des Demokratiefests auf dem Domplatz in Magdeburg.

Organisator Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland, zeigte sich vom Andrang überwältigt. Das internationale Interesse an dem Event und der politischen Entwicklung im Bundesland sei enorm.


Blick über die versammelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Magdeburger Domplatz.

Spannungen und Gegenproteste in Halle

Auch in Halle kam es am Vorwahltag zu Protesten. Am dortigen Hauptbahnhof versammelten sich Hunderte antifaschistische Demonstranten, um lautstark gegen den Rechtsruck zu protestieren.

Halle gilt historisch als Stadt mit einer aktiven linken Szene, in der die AfD landesweit bislang ihre schwächsten Wahlergebnisse erzielte.


Demonstrationszug von Protestierenden am Hauptbahnhof in Halle.

Parallel dazu thematisiert der Wahlkampf auch bauliche und gesellschaftliche Veränderungen in den Städten und Dörfern des Landes.


Historische Altstadtkulisse in Sachsen-Anhalt.

AfD reklamiert Regierungsanspruch für sich

Auf ihrem eigenen Wahlkampfabschluss zeigte sich die AfD siegessicher. Bundes-Co-Chef Tino Chrupalla sicherte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund volle Unterstützung zu und sprach von einer geplanten Regierungsübernahme in Magdeburg.

Co-Fraktionschef Oliver Kirchner kündigte an, Sachsen-Anhalt zu einem bundesweiten Leuchtturmprojekt für die Partei machen zu wollen.


Teilnehmer einer politischen Wahlkampfveranstaltung in Sachsen-Anhalt.

Zusätzlichen Rückenwind suchte Siegmund international: Auf der Plattform X erhielt er eine Wahlempfehlung des ehemaligen US-Grenzschutzkommandeurs Gregory Bovino, der für seine harte Linie bei Festnahmen in den USA bekannt ist.

Streit um Deutschlandflagge auf dem Domplatz

Für Aufsehen sorgte am Freitag ein Video von Ulrich Siegmund, in dem er behauptete, eine auf das Pflaster des Domplatzes gesprühte Deutschlandflagge werde eigens wegen des Demokratiefests entfernt. Die Veranstalter von »Sachsen-Anhalt. Weltoffen!« hatten zuvor Parteifahnen und Nationalflaggen auf dem Festival untersagt.

Recherchen ergaben jedoch ein anderes Bild: Die Flagge befand sich bereits seit mehreren Wochen auf dem Boden. Den Auftrag zur Beseitigung erteilte die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt im Zuge routinemäßiger Denkmalreinigungen – unabhängig vom Festival. Die Farbe ließ sich zudem vor Ort nicht vollständig ablösen.


Porträtaufnahme eines jungen Mannes im urbanen Raum.

Desinformationskampagne entlarvt: Fake-Video zur Briefwahl

In den sozialen Netzwerken tauchte kurz vor dem Wahlsonntag ein Video auf, das eine angebliche Manipulation von Briefwahlstimmen zuungunsten der AfD suggerieren sollte. Zu sehen war eine Person, die Briefwahlumschläge öffnet und Stimmzettel mit Kreuzen bei der AfD durchstreicht.

Klare Merkmale belegen Inszenierung

Die Fälschung ließ sich anhand mehrerer technischer und formaler Fehler rasch entlarven:

  • Alle im Video sichtbaren Wahlscheine waren identische Kopien mit derselben Registrierungsnummer und demselben Namen.
  • Die Stimmzettel stammten aus dem Wahlkreis 9 (Oschersleben-Wanzleben), wiesen jedoch nicht die gesetzlich vorgeschriebene Lochung für Blinden-Schablonen in der oberen rechten Ecke auf.
  • Die Wahlscheine und Stimmzettel wurden zusammen in den weißen Umschlag gesteckt, was den Wahlregeln widerspricht und die Stimmen ohnehin ungültig gemacht hätte.

Das Rechercheprojekt Gnida stuft die Aufnahme als Werk der russischen Desinformationsgruppe Storm-1516 ein, die bereits vor der Bundestagswahl 2025 mit strukturell identischen Fakes auffiel.

Reaktionen aus Bundes- und Landespolitik

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte auf verbale Ausfälle von AfD-Landeschef Martin Reichardt gegen die Bundesrepublik und forderte eine deutliche Haltung. Deutschland blicke auf eine fast 80-jährige Erfolgsgeschichte zurück und sei eine stabile, gefestigte Demokratie, die man sich nicht schlechtreden lasse.

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) betonte indes, man dürfe die Bürgerinnen und Bürger in Ostdeutschland, die sich aktiv für die Demokratie engagieren, keinesfalls unterschätzen.

Marcus aus Magdeburg: »Ich habe keine Angst vor morgen. Eher Sorge, weil egal, wie die Wahl ausgeht, wird das Ergebnis vermutlich erst mal Stillstand für Sachsen-Anhalt bedeuten. Und das ist schade.«
Marcus aus Magdeburg äußert seine Erwartungen an den Ausgang der Landtagswahl.

Eine 17-Jährige aus Bernburg ist mit ihrem Papa und einigen Freunden nach Magdeburg gekommen. Sie sagt: »Ich darf selbst noch nicht wählen, aber an alle, die es dürfen: Wählt demokratisch! Ich hab ein bisschen Bauchschmerzen. Mal schauen, was morgen passiert.«
Eine Jugendliche aus Bernburg besucht die Veranstaltung in Magdeburg.

Sysnakee ist mit drei Freunden aus Stendal zur Demo gekommen. Sie sagt: »Ich habe ziemlich dolle Angst davor, dass die AfD morgen die Mehrheit bekommt. Aber vielleicht wachen die Leute dann auch auf und merken, dass das nicht das Richtige ist.« Sie als Halb-Asiatin wisse noch nicht, ob sie auf Dauer in Sachsen-Anhalt bleibe, wenn die AfD hier stark bleibt.
Demonstrationsteilnehmerin Sysnakee reiste aus Stendal nach Magdeburg an.