Leben 300 Meter neben Windrädern: Was Anwohner nach 25 Jahren berichten
Aktuelle News
Große Windkraftanlagen prägen die Landschaft und erfordern feste Abstände zu Wohngebäuden.
Direkt vor dem eigenen Fenster drehen sich zwei Rotoren: Peter Schuster wohnt im österreichischen Spörbichl in Sichtweite zweier Windkraftanlagen. Für ihn stellt die Nachbarschaft kein Problem dar – er lebe lieber neben zehn Windrädern als neben einem Atomkraftwerk.
Die beiden Anlagen entstanden bereits im Oktober 1999 und erbringen jeweils 660 Kilowatt Leistung. Nach Angaben der Gemeinde Windhaag bei Freistadt decken sie den Strombedarf von etwa 550 Haushalten ab.
300 Meter Abstand und 89 Meter Gesamthöhe
Initiator des Projekts war der damalige Bürgermeister Alfred Klepatsch, Schusters Vater. Er ließ die Rotoren rund 300 Meter von seinem eigenen Wohnhaus entfernt aufstellen.
Das monotone Geräusch empfindet Klepatsch nicht als Belastung, sondern als beruhigend. Auch Gerhard Freller, der 800 Meter vom benachbarten Windpark Sternwald entfernt lebt, sieht keinen Grund zur Sorge für Gemeinden vor neuen Projekten.
Allerdings erreichen die Altanlagen bis zur Blattspitze lediglich knapp 89 Meter. Heutige Neuanlagen, wie sie im Windpark Sternwald geplant sind, messen bis zu 250 Meter Höhe.
Geräuschkulisse, Grenzwerte und Technik
Das regelmäßige An- und Abschwellen der Rotorblätter hängt von Faktoren wie Distanz, Gelände, Windrichtung und Bauart ab. Was für manche Anwohner wie ein leises Rauschen wirkt, kann von anderen Menschen als störender Ton wahrgenommen werden.
In Deutschland regelt die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) feste Grenzwerte. In der Nacht liegen diese für Wohn-, Misch- und Dorfgebiete zwischen 35 und 45 dB(A). Wird der Wert überschritten, müssen Betreiber die Rotoren drosseln.

Treten technische Mängel auf, kann das drastische Folgen haben: In Sachsen wurde eine knapp drei Jahre alte Anlage nach dauerhaften Beschwerden über tieffrequente Brummtöne wieder abgebaut, da selbst ein Getriebetausch keine Abhilfe schuf.
Schattenwurf und Infraschall
Steht die Sonne tief, werfen die Rotorblätter periodische Schatten auf angrenzende Gebäude. In Deutschland gilt als Richtwert, dass dieser Schattenwurf theoretisch maximal 30 Stunden pro Jahr und 30 Minuten am Tag auf ein Wohnhaus treffen darf – real sind es wetterbedingt meist sieben bis acht Stunden, gesteuert über automatische Abschaltmodule.
Schallwellen unterhalb von 20 Hertz, der sogenannte Infraschall, liegen bei üblichen Abständen von mehreren hundert Metern deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsgrenze. Nach Angaben des Umweltbundesamts gibt es bei den erfassten Pegeln moderner Windkraftanlagen keine wissenschaftlichen Belege für gesundheitliche Schäden.
Balkonkraftwerk-Komponenten für die private Stromerzeugung
Neue Abstandsregeln beenden den Standort
Ein Neubau mit nur 300 Metern Distanz wäre heute rechtlich ausgeschlossen. Das oberösterreichische Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz verlangt für neue Anlagen über 500 Kilowatt mindestens 1.000 Meter Abstand zu Wohnbauten.
Die Betriebsgenehmigung für die beiden Pionieranlagen in Spörbichl läuft Mitte der 2030er-Jahre aus. Da ein Repowering mit modernen Großanlagen wegen der neuen Distanzvorgaben scheitert, werden die Türme nach Ablauf der Frist komplett abgebaut.
Laut einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag von Erneuerbare BW stehen 72 Prozent der Befragten, die bereits in der Nähe von Windrädern wohnen, den Anlagen positiv gegenüber. Das Vorhaben in Spörbichl wurde damals als Bürgerbeteiligungsprojekt mit 100 stillen Teilhabern umgesetzt.

