Zum Inhalt springen
On Air Festival

Leben in der AfD-Hochburg: Punk-Sänger Monchi über die „Abgegessenheit“ von Berlin

Jan Gorkow, Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet, spricht über seine Erfahrungen in Mecklenburg-Vorpommern. Aktuelle News

Jan „Monchi“ Gorkow, Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet.

Jan Gorkow, besser bekannt als „Monchi“, ist Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet. Seit Jahren kämpft er öffentlich gegen Rechtsextremismus. Doch sein Lebensmittelpunkt liegt ausgerechnet dort, wo dieser Widerstand auf eine enorme politische Gegenbewegung trifft: in Jarmen, Mecklenburg-Vorpommern.

Bei der Bundestagswahl erreichte die AfD in seiner Heimatgemeinde 54 Prozent der Stimmen. In seinem neuen Buch „Jenseits der Brandmauer“ verarbeitet Gorkow den Alltag in einem Umfeld, das politisch weit von seiner eigenen Überzeugung entfernt ist.


Jan Gorkow, Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet.

Die Ernüchterung nach dem Wahlergebnis

Im Podcast mit BILD-Vize Paul Ronzheimer beschreibt der 38-Jährige, wie ihn das Wahlergebnis traf. Zwar war ihm die Tendenz vor Ort bewusst, doch die Marke von 54 Prozent schockierte ihn. In den Wochen danach veränderte sich sein Blick auf die Nachbarschaft: Er ertappte sich dabei, wie er jeden Passanten fragte, ob er wohl sein Kreuz bei der AfD gesetzt habe.

Doch durch das Zusammenleben hat sich Gorkows Haltung gewandelt: „Umso näher ich an den Menschen bin, umso schwerer fällt mir auch das Hassen“, sagt er.

„Die sind so stark, weil die anderen so schwach sind“

Gorkow identifiziert eine tief sitzende Wut auf die Bundespolitik als den gemeinsamen Nenner vieler AfD-Wähler. Themen wie Rente, Migration und die Sorge vor wirtschaftlichem Abstieg dienen oft als Katalysator, doch der Kern ist eine generelle „Abgegessenheit“ von der Politik aus Berlin.

Sein Urteil über die politische Lage ist scharf: „Die sind nicht so stark, weil die so stark sind. Sondern die sind so stark, weil die anderen so schwach sind.“ Er selbst lehnt die AfD als politische Antwort strikt ab, betont aber, dass er den Frust vieler Bürger durchaus nachvollziehen kann.

Leben in der AfD-Hochburg: Punk-Sänger Monchi über die „Abgegessenheit“ von Berlin

Differenzierung statt Pauschalurteil

Gorkow warnt davor, alle AfD-Wähler über einen Kamm zu scheren. Zwischen organisierten Rechtsextremisten und den 54 Prozent in Jarmen müsse man unterscheiden.

Er schätzt den harten Kern der Überzeugungstäter auf etwa 10 bis 20 Prozent. Sein Appell: „Wenn alle Nazis sind, dann ist nachher keiner mehr Nazi.“ Er warnt davor, durch undifferenzierte Vorwürfe den Begriff zu verwässern.

Kein Glaube an die Trendwende

Der Sänger gibt sich pessimistisch, was die Strategien der etablierten Parteien angeht. „Ich glaube nicht mehr daran, dass diese anderen Parteien das umgerissen bekommen“, so Gorkow. Auch die Hoffnung, dass die AfD bei einer tatsächlichen Regierungsbeteiligung schnell an Zustimmung verlieren würde, teilt er nicht.

Sorge um die nächste Generation

Besonders die Radikalisierung in der Jugend beobachtet Gorkow mit Sorge. Er sieht das Potenzial für eine weitere Verschärfung der Lage. Sein Gegenrezept ist der direkte Kontakt: Jugendliche dürfe man nicht vorschnell abschreiben oder in eine Ecke drängen.

Wer gesellschaftlich etwas bewegen will, müsse den Dialog suchen, anstatt alle Menschen pauschal zu verurteilen. Nur so könne verhindert werden, dass sich die Fronten weiter verhärten.