Lesung vor 90 Gästen in München: Jan Fleischhauer über seinen Auftritt bei der AfD-Stiftung
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Buchcover von Jan Fleischhauers aktuellem Werk.
Die Einladung kam direkt von Erika Steinbach, der Vorsitzenden der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Das Ziel: ein Vortrag über das eigene Buch vor einem Publikum, das politisch weit rechts steht.
Rund 90 Zuhörer versammelten sich dafür in einem Münchner Hotel, dessen Adresse erst nach vorheriger Anmeldung mitgeteilt worden war. Optisch erinnerte die Runde an ein bürgerliches Vereinstreffen, doch die Vokabeln machten den Unterschied: Aus CDU und SPD wurden „Kartellparteien“, aus Migration ausnahmslos „Massenmigration“.
Eklat nach zehn Minuten: Eine Zuhörerin verlässt den Saal
Auf dem Programm standen zwei Kapitel: eines über die Führungskader der AfD als strategische Schwachstelle und eines über die technikfeindliche Sehnsucht nach Selbstversorgung, die Ränder von links bis rechts vereint.
Buchcover von Jan Fleischhauers aktuellem Werk.
Lange hielt die Geduld im Saal nicht bei allen. Bereits nach zehn Minuten stand eine Besucherin in der ersten Reihe auf und verließ mit den Worten „Das muss ich mir nicht länger anhören“ fluchtartig den Raum.
Der Rest des Publikums blieb sitzen. Unter den Gästen fanden sich unter anderem ein früherer CDU-Bürgermeister aus Mülheim an der Ruhr, ein Bauunternehmer sowie der Organisator, der eine größere Anwaltskanzlei leitet.
Der Schraubstock-Effekt der Brandmauer
Im Berliner Parlamentsbetrieb herrscht gegenüber AfD-Abgeordneten eine strikte Isolation, die vom gemeinsamen Aufzugfahren bis hin zur parlamentarischen Fußballmannschaft reicht. Diese Ausgrenzung führt jedoch zu einem Nebeneffekt, der selten beleuchtet wird.
Videotitelbild des politischen Formats Der Schwarze Kanal.
Der massive Druck von außen schweißt die Partei zusammen. Interne Richtungskämpfe und inhaltliche Widersprüche werden durch die Isolation überdeckt, da die Reihen geschlossen bleiben müssen.

Keine Annäherung bei Differenzen
Als vier AfD-Bundestagsabgeordnete den Fraktionsboykott brachen und der Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Bundestag applaudierten, änderte das am Umgang mit ihnen nichts. Sie erfuhren weiterhin die gleiche Ächtung wie der Rest der Fraktion.
Historisch gab es andere Wege im Umgang mit unliebsamen Kräften: Vor 40 Jahren begegneten die etablierten Parteien den Grünen mit einer Strategie des „Wandels durch Annäherung“, um gemäßigte Kräfte von radikalen Strömungen zu trennen.
Um ohne Partner regieren zu können, bräuchte Alice Weidel rechnerisch rund 46 Prozent der Stimmen – ein Szenario, das seit Konrad Adenauer keinem Kanzler mehr gelang.
Gegenwind aus dem rechten Lager
Die heftigste Reaktion auf den Münchner Abend folgte nicht aus dem bürgerlichen Milieu, sondern von rechts außen. Das Magazin „Freilich“ kritisierte die Parteistiftung scharf dafür, überhaupt einen Gast mit konservativ-liberaler Ausrichtung eingeladen zu haben.
Am Ende des Abends gab es dennoch Zuspruch von Zuhörern und Bitten um Fotos, die trotz möglicher öffentlicher Kritik nicht ausgeschlagen wurden.


