Long Covid: WHO-Daten und Nature-Studie an 1.154 Patienten belegen mehrere biologische Ursachen
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Long Covid: WHO-Daten und Nature-Studie an 1.154 Patienten belegen mehrere biologische Ursachen
Eine Virusinfektion ist für viele Betroffene nicht beendet, sobald der Erreger in der akuten Phase nicht mehr nachweisbar ist. Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Analyse fasst den aktuellen Wissensstand zu Long Covid und postviralen Syndromen zusammen.
Die zentrale Erkenntnis der internationalen Forschung: Es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine einzelne Ursache für die monate- oder jahrelangen Beschwerden.
Nicht eine Krankheit, sondern verschiedene Phänotypen
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation entwickeln etwa 6 Prozent der symptomatisch an Covid-19 erkrankten Personen Folgezustände. Rund 15 Prozent dieser Patienten leiden auch nach zwölf Monaten noch unter Symptomen.
Zu den typischen Beschwerden gehören chronische Erschöpfung, kognitive Beeinträchtigungen, Atemnot, Schlafstörungen, Muskelschmerzen, Tachykardien sowie Belastungsintoleranz. Diese Symptome entstehen jedoch durch unterschiedliche biologische Mechanismen.
Die Forschung identifiziert derzeit mehrere Hauptursachen: das Verbleiben von SARS-CoV-2-Fragmenten in Geweben, Fehlsteuerungen des Immunsystems, Gefäß- und Endotheldysfunktionen, Störungen des Mikrobioms sowie neurologische Schäden.
Reaktivierung von Herpes- und Epstein-Barr-Viren
Eine Untersuchung von Maguire et al., publiziert im Journal Nature, analysierte Daten von 1.154 hospitalisierten Patienten. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass frühere, im Körper schlummernde Viren wieder aktiv wurden.
Besonders häufig betraf dies Viren aus den Familien der Herpesviridae und Anelloviridae sowie das Epstein-Barr-Virus, den Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Die Reaktivierung korreliert mit der Schwere des Verlaufs und dem Auftreten von Spätfolgen, auch wenn eine direkte Kausalität noch weiter belegt werden muss.
Rolle von Autoantikörpern
Parallel dazu rückt das körpereigene Immunsystem in den Fokus. Bei zahlreichen Betroffenen wurden stark heterogene Profile von Autoantikörpern festgestellt, was auf eine autoimmune Komponente bei bestimmten Patientengruppen hindeutet.
Medizinische Forschung zu postviralen Erkrankungen und Spätfolgen nach Virusinfektionen.
Gezielte Therapien statt einer Standardbehandlung
Die Vielfalt der biologischen Prozesse macht deutlich, warum es keine universelle Therapie für alle Betroffenen geben kann. Für die medizinische Versorgung bedeutet das eine notwendige Umstellung der Diagnostik.
Erforderlich sind präzise Biomarker, um Patienten nach ihren spezifischen Mechanismen zu klassifizieren – etwa nach persistierenden Viren, Autoimmunität oder Dysautonomie. Auf diesen Phänotypen müssen künftige klinische Studien aufbauen.
Die Erkenntnisse aus der Long-Covid-Forschung liefern zugleich wichtige Daten für das Verständnis weiterer postinfektiöser Krankheitsbilder, darunter ME/CFS.

