Mietenreport 2026: 238.000 Haushalte verlieren Wohngeld – Bund plant 1 Milliarde Euro Kürzung
Aktuelle News
Steigende Wohnkosten bringen immer mehr Haushalte in Deutschland an finanzielle Belastungsgrenzen.
Für Millionen Menschen in Deutschland entwickelt sich die monatliche Miete zu einem existenziellen Risiko. Mehr als jeder vierte Mieter könnte seine Wohnung nach einem drastischen Einkommensverlust – etwa durch Arbeitslosigkeit – höchstens drei Monate lang finanzieren. Zehn Prozent geraten bereits nach weniger als einem Monat in Zahlungsunfähigkeit.
Das belegen die Daten des aktuellen Mietenreports 2026 des Deutschen Mieterbundes. Fast ein Drittel der Mieter (29 Prozent) fürchtet demnach, die eigenen vier Wände in Zukunft nicht mehr bezahlen zu können. Bei 58 Prozent der Befragten zogen die Wohnkosten innerhalb des letzten Jahres spürbar an.
Um die Miete weiterhin aufzubringen, schränken sich viele Haushalte im Alltag massiv ein. 52 Prozent kürzen ihre Rücklagen oder die Altersvorsorge, 49 Prozent verzichten auf Urlaub und Kulturangebote. 46 Prozent sparen bei Kleidung und Möbeln, 25 Prozent müssen Ausgaben für gesunde Lebensmittel drosseln und 15 Prozent sparen direkt bei der eigenen Gesundheit.
Wohngeld-Boom: Vor allem Rentner und Erwerbstätige betroffen
Die Zahl der Wohngeldhaushalte verdoppelte sich zwischen 2020 und Ende 2023 von gut 600.000 auf rund 1,2 Millionen. Im Jahr 2024 folgte ein weiterer Anstieg um 5,9 Prozent. Die Ausgaben von Bund und Ländern beliefen sich auf 4,7 Milliarden Euro.
Die Unterstützung fließt überwiegend an Bürger mit festen Bezügen. Im Jahr 2023 stellten Rentner und Pensionäre mit 53 Prozent die größte Gruppe der reinen Wohngeldempfänger, gefolgt von Erwerbstätigen mit 37 Prozent. Arbeitslose machen laut dem Bericht nur einen geringen Anteil aus.
Grundsätzlich richtet sich das Wohngeld nach dem Gesamteinkommen, der Haushaltsgröße und der Miethöhe. Wer bereits Bürgergeld oder andere Grundsicherungsleistungen bezieht, erhält in der Regel kein Wohngeld, da die Wohn- und Heizkosten dort bereits verrechnet werden.

Bundesregierung plant harte Einschnitte ab 2027
Trotz der zunehmenden Belastung plant die Bundesregierung massive Einsparungen bei der Wohnbeihilfe. Ein entsprechender Gesetzentwurf des Bundeskabinetts soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Die geplanten Maßnahmen im Überblick
- Die regulär anstehende Erhöhung des Wohngelds zum 1. Januar 2027 wird gestrichen.
- Die Heizkostenkomponente wird um 50 Prozent halbiert.
- Die Berechnungsformel für das Wohngeld wird zuungunsten der Empfänger angepasst.
Nach Regierungsangaben sinkt die Zahl der unterstützten Haushalte bis 2029 auf rund eine Million. Etwa 238.000 Haushalte verlieren ihren Anspruch infolge der Neuregelung vollständig.
Verlagerung der Kosten auf andere Sozialkassen
Das Sparpaket soll die Staatskasse um rund eine Milliarde Euro entlasten. Experten warnen jedoch vor einer reinen Verschiebung der finanziellen Lasten. Der Mietenreport verweist auf Berechnungen, wonach die Kürzungen Mehrausgaben von bis zu 750 Millionen Euro in anderen Sozialsystemen auslösen könnten, da betroffene Haushalte auf Grundsicherungsleistungen ausweichen müssen.
Schon jetzt deckt das Wohngeld die realen Kosten häufig nicht ab. Der Anteil der Empfängerhaushalte, deren Bruttokaltmiete über den gesetzlich anrechenbaren Höchstbeträgen lag, stieg von 24 Prozent im Jahr 2021 auf knapp 30 Prozent im Jahr 2023.
