Zum Inhalt springen
On Air Festival

Migräne im MRT: Bei 65 Probanden verändern Schlaf und Psyche die Hirnbefunde

Migräne im MRT: Bei 65 Probanden verändern Schlaf und Psyche die Hirnbefunde Aktuelle News

Migräne im MRT: Bei 65 Probanden verändern Schlaf und Psyche die Hirnbefunde

Die Suche nach eindeutigen Spuren der Migräne im Gehirn liefert oft widersprüchliche Resultate. Eine im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung zeigt nun, wie stark Begleiterscheinungen wie Schlafprobleme oder depressive Verstimmungen die Bildgebung beeinflussen.

Ein Forschungsteam analysierte mittels funktioneller Magnetresonanztomografie im Ruhezustand (fMRT) die Gehirne von 39 Personen mit Migräne ohne Aura und verglich sie mit 26 gesunden Kontrollpersonen. Die Methode erfasst minimale Signalschwankungen, während die Probanden keine gezielte Aufgabe ausführen.

Der Einfluss von Psyche und Schlaf auf MRT-Befunde

Im ersten Durchlauf schienen die Unterschiede zwischen beiden Gruppen deutlich. Bei den Migränepatienten zeigten sich veränderte Aktivitätswerte im unteren Schläfenlappen beider Hemisphären sowie im linken Nucleus caudatus.

Gleichzeitig wiesen die Betroffenen jedoch messbar höhere Werte bei Angst, depressiven Symptomen und schlechter Schlafqualität auf. Als die Forschenden diese Faktoren statistisch herausrechneten, verloren die lokalen Messwerte (zALFF und ReHo) ihre Signifikanz.

Was zuvor wie eine spezifische Gewebeveränderung der Migräne aussah, spiegelte primär die psychischen und schlafbezogenen Begleitumstände der Erkrankung wider.

Visualisierung neuronaler Aktivitätsmuster im menschlichen Gehirn.

Wenn Netzwerke aus dem Takt geraten

Ein anderes Bild ergab sich bei den übergeordneten funktionellen Netzwerken des Gehirns. Mithilfe der unabhängigen Komponentenanalyse (ICA) untersuchten die Wissenschaftler das Zusammenspiel verschiedener Areale.

Hier blieb eine reduzierte funktionelle Konnektivität in 13 von 23 analysierten funktionellen Netzwerken auch nach der statistischen Bereinigung um Schlaf- und Stimmungsfaktoren bestehen. Die Kommunikation zwischen den Arealen wies messbare Störungen auf.

Was bleibt nach strenger statistischer Prüfung?

Unter Anwendung der sehr konservativen Bonferroni-Korrektur hielt allerdings nur ein einziger Befund der harten mathematischen Prüfung stand (korrigierter Wert p = 0,019). Dabei handelte es sich um einen Zusammenhang zwischen der Konnektivität des rechten Precuneus und den Werten auf der Pain Catastrophizing Scale, die das Ausmaß einer katastrophisierenden Schmerzverarbeitung erfasst.

Andere Verbindungen, etwa zwischen dem Nucleus caudatus und der Krankheitsdauer, verloren bei diesem Schwellenwert ihre statistische Tragfähigkeit. Die MRT-Daten erlauben es somit nicht, den genauen Entstehungsort von Attacken zu bestimmen, künftige Schübe vorherzusagen oder Therapieerfolge abzuleiten.

Die Resultate decken sich mit einer Auswertung von 31 früheren Studien mit insgesamt 1.238 Betroffenen und 1.005 gesunden Kontrollen. Auch dort wiesen die Daten eher auf veränderte Schaltkreise in visuellen, sensomotorischen und Aufmerksamkeitssystemen hin als auf einen einzelnen, isolierten Herd.

Mit 65 Probanden bleibt die aktuelle Stichprobe explorativ. Ob die verbleibenden Netzwerkstörungen die Ursache der Migräneattacken oder deren langfristige Folge im Gehirn sind, müssen künftige Längsschnittstudien klären.