Mindestens 120 Gramm täglich: Warum der Verzicht auf Kohlenhydrate dem Gehirn schadet
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Kohlenhydrate sind für die tägliche Energieversorgung des Körpers unverzichtbar.
Low-Carb-Konzepte wie die Atkins-Diät verbannen Brot, Nudeln, Kartoffeln und Reis konsequent vom Teller. Was kurzfristig beim Abnehmen helfen kann, birgt auf Dauer erhebliche gesundheitliche Risiken.
Besser nicht auf Kohlenhydrate verzichten: Kohlenhydrate sind lebenswichtig für die Gesundheit.
Kohlenhydrate gehören neben Fetten und Proteinen zu den drei essenziellen Makronährstoffen. Sie dienen dem Körper als primärer Treibstoff und steuern lebenswichtige Prozesse in Stoffwechsel, Verdauung und Immunsystem.
Gehirn benötigt mindestens 120 Gramm pro Tag
Kein Organ im menschlichen Körper verbraucht so viel Energie wie das Gehirn. Um voll funktionsfähig zu bleiben, benötigt die Schaltzentrale mindestens 120 Gramm Kohlenhydrate pro Tag.
Wird dieser Bedarf unterschritten, lässt die geistige Leistungsfähigkeit messbar nach. Die Reaktionszeit verlangsamt sich, und sowohl das Kurzzeit- als auch das Langzeitgedächtnis leiden unter dem Treibstoffmangel.
Auch die Psyche reagiert direkt auf die Zufuhr: Kohlenhydrate kurbeln im Gehirn die Produktion des Botenstoffs Serotonin an. Fehlt dieser Baustein, drohen Reizbarkeit und depressive Verstimmungen.
Komplexe Vielfachzucker gegen Heißhunger
Entscheidend für die Gesundheit ist nicht der vollständige Verzicht, sondern die Wahl der richtigen Kohlenhydratquellen. Der Körper unterscheidet biochemisch zwischen kurzkettigen und komplexen Molekülen.
Der Unterschied im glykämischen Index
Einfach- und Zweifachzucker aus Weißmehl, Süßigkeiten, Fruchtsäften oder Fertiggerichten gelangen blitzschnell ins Blut. Sie lassen den Blutzuckerspiegel abrupt ansteigen und ebenso schnell wieder abfallen, was Heißhungerattacken auslöst.
Komplexe Mehrfachzucker (Polysaccharide) müssen vor der Aufnahme im Darm erst aufgespalten werden. Sie sorgen für eine gleichmäßige Energieabgabe und ein langanhaltendes Sättigungsgefühl. Zu den besten Quellen zählen:
- Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Haferflocken und Vollkornreis
- Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Erbsen
- Stärkereiches Gemüse wie Kartoffeln, Süßkartoffeln und Kürbis
- Pseudogetreide wie Quinoa sowie Nüsse und Samen
DGE empfiehlt 50 Prozent der täglichen Energiemenge
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt als Richtwert, rund 50 Prozent der täglichen Energiezufuhr über Kohlenhydrate abzudecken. Der genaue Bedarf hängt von Faktoren wie Grundumsatz, Alter und Sportpensum ab.
Ein Zuviel an Kohlenhydraten wandelt der Körper in Fettdepots um, was bei dauerhaftem Überschuss das Diabetesrisiko steigert. Ein chronischer Mangel ist jedoch ebenso gefährlich.
Gesundheitsrisiken bei dauerhaftem Kohlenhydratmangel
Wer Carbs langfristig streicht, ersetzt sie in der Praxis meist durch protein- und fettreiche Nahrungsmittel. Dies erhöht das Risiko für Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Typische erste Warnsignale einer Unterversorgung sind Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit. Ein dauerhafter Mangel zieht oft ein Defizit an Thiamin (Vitamin B1) nach sich, was Nerven und Herzmuskel angreifen kann.
Zudem fehlen dem Verdauungstrakt die essenziellen Ballaststoffe aus Vollkorn und Hülsenfrüchten. Die Folge sind träge Darmbewegungen und Verstopfung, während fettreichere Ersatzmahlzeiten zusätzlich Sodbrennen begünstigen.

