Nach 63 Jahren im Gletschereis: 86-Jähriger erhält 1963 verlorenen Rucksack zurück
Aktuelle News
Nach über sechs Jahrzehnten im Eis tauchte die Ausrüstung eines Tiroler Bergsteigers am Sulztalferner wieder auf.
Ein Alpinist hat Mitte Juli auf knapp 3000 Metern Höhe am Sulztalferner in den Stubaier Alpen ein verwittertes Gepäckstück entdeckt. Die österreichische Alpinpolizei konnte den historischen Fund nach Ermittlungen einem heute 86-jährigen Tiroler zuordnen.
In einer Mappe im Inneren des Rucksacks stießen die Beamten auf einen kaum noch lesbaren Namen. Nach weiteren Nachforschungen bestätigte der Senior, dass es sich um seine persönliche Ausrüstung handelt, die seit Jahrzehnten als verschollen galt.
Kamera, Pfeife und Eispickel lagen über sechs Jahrzehnte lang im Gletschereis.
Spaltensturz am 4. August 1963
Das Unglück ereignete sich vor 63 Jahren während einer Hochtour. Beim Überqueren des Gletschers stürzte der damals junge Bergsteiger in eine Gletscherspalte.
Da die Bergsteigergruppe angeseilt unterwegs war, fingen seine Seilpartner den Sturz ab. Um Gewicht einzusparen und sich mit Schlingen aus der Spalte befreien zu können, warf der Verunglückte seinen Rucksack samt Ausrüstung in die Tiefe.
Historisches Gipfelbild der beteiligten Bergsteiger aus dem Jahr 1963.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte der 86-Jährige das Fundstück nicht persönlich abholen. Sein Sohn nahm die Ausrüstung gemeinsam mit der Familie bei der Landespolizeidirektion Tirol entgegen.

Die Familie des Verunglückten nahm die geborgenen Gegenstände bei der Polizei in Empfang.
Gletscherschwund gibt historische Relikte frei
Dass die Ausrüstung nach so langer Zeit an die Oberfläche gelangte, ist die direkte Folge des anhaltenden Gletscherrückgangs im Alpenraum. Anhaltend hohe Sommertemperaturen beschleunigen das Abschmelzen des Eises massiv.
Gletscherspalten im Hochgebirge stellen seit jeher eine ernste Gefahr für Alpinisten dar.
Verlust der Eismassen beschleunigt sich
Das Phänomen betrifft den gesamten Alpenbogen. Die verbliebenen vier deutschen Gletscher verloren allein im Zeitraum von 2023 bis 2025 mehr als ein Viertel ihrer Gesamtfläche, wie Vermessungen des Geografen Wilfried Hagg und des Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften belegen.
Nach Angaben der Umweltforschungsstation Schneefernhaus an der Zugspitze lagert zunehmend dunkler Schutt auf den verbleibenden Eisflächen. Das Gestein heizt sich in der Sonne stark auf und treibt den Schmelzprozess weiter an.




