Nach Senats-Votum über 111 Aussageverweigerungen: Älteste Wissenschaftsakademie verteidigt Anthony Fauci
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Nach Senats-Votum über 111 Aussageverweigerungen: Älteste Wissenschaftsakademie verteidigt Anthony Fauci
Die 1603 gegründete italienische Accademia Nazionale dei Lincei hat sich öffentlich hinter Anthony Fauci gestellt. Die renommierte Wissenschaftsinstitution warnt davor, dass berechtigte Transparenzforderungen im US-Politbetrieb zunehmend in eine systematische Verurteilung der gesamten Forschungsgemeinschaft umschlagen.
Hintergrund der Stellungnahme ist eine parteipolitisch aufgeladene Auseinandersetzung im US-Senat. Bei einer Anhörung vor dem Ausschuss für Innere Sicherheit hatte Fauci auf Anraten seiner Anwälte 111 Mal von seinem verfassungsmäßigen Recht nach dem Fünften Verfassungszusatz Gebrauch gemacht, um sich nicht selbst zu belasten.
Politische Offensive im US-Senat: Das Verfahren gegen Fauci
Die republikanische Mehrheit des Ausschusses unter Führung von Senator Rand Paul billigte daraufhin mit 8 zu 5 Stimmen eine Resolution wegen Missachtung des Kongresses. Die Untersuchung konzentriert sich auf frühere US-Fördermittel für die Coronavirus-Forschung und mögliche Verbindungen zum Institut für Virologie in Wuhan.
Die Demokraten im Ausschuss kritisierten den Vorstoß scharf. Sie wiesen darauf hin, dass die Inanspruchnahme von Grundrechten keine Schuld beweist und das Vorgehen der Republikaner juristisch fragwürdig ist.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch das Schuldeingeständnis von David Morens, einem ehemaligen Berater des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID). Morens gab zu, private E-Mail-Konten genutzt zu haben, um Dokumente vor Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) zu verbergen.
Diese Dokumente betrafen unter anderem Finanzierungen für Forschungen an Fledermaus-Coronaviren über die Organisation EcoHealth Alliance. Gegen Fauci selbst liegen in diesem Verfahren jedoch keinerlei Anklagen oder Vorwürfe wegen strafbaren Verhaltens vor.
Der Fall David Morens und die Debatte um Wuhan
Die Accademia dei Lincei äußerte in einer Erklärung tiefe Bestürzung über die Angriffe auf Fauci, der der Akademie als auswärtiges Mitglied angehört. Die Suche nach Verantwortlichkeiten dürfe nicht zu einem politischen Prozess gegen die Wissenschaft selbst werden.
Fauci leitete das NIAID von 1984 bis 2022 und diente unter sieben US-Präsidenten. Er prägte den Kampf gegen HIV/Aids maßgeblich und war an der Schaffung des US-Programms PEPFAR beteiligt, dem die Rettung von über 20 Millionen Menschenleben zugeschrieben wird.
Wissenschaftliche Methodik gegen Vorverurteilung
Bezüglich des Ursprungs von Sars-CoV-2 mahnen Wissenschaftler zur strikten Trennung der Fragestellungen. Die Prüfung eines möglichen Laborunfalls in Wuhan ist unabhängig von der Frage zu betrachten, ob US-Fördermittel lückenlos überwacht wurden.
Bislang existieren keine stichhaltigen Beweise für eine persönliche strafrechtliche Verantwortung Faucis am Ausbruch der Pandemie. Weil entscheidende Primärdaten aus China fehlen, bleibt die wissenschaftliche und behördliche Untersuchung der Virusherkunft weiterhin unvollständig.
Historischer Beistand: Warum sich die Accademia dei Lincei einschaltet
Die Lincei verweisen in ihrer Stellungnahme auf ihr früheres Mitglied Galileo Galilei, der 1611 in die Akademie aufgenommen wurde. Das historische Beispiel verdeutlicht das Risiko, wenn politische Instanzen vorgeben, was als Wahrheit zu gelten hat, und wissenschaftliche Anpassungen an neue Datenlagen als Lügen deklarieren.
Forschung beruht auf Fehlerkorrektur, offenen Daten und strenger Überprüfung. Werden notwendige Kurskorrekturen bei unvollständiger Beweislage im Nachhinein pauschal als Inkompetenz oder Täuschung gewertet, gefährdet dies die Handlungsfähigkeit von Fachleuten bei künftigen Gesundheitskrisen.
