Niederlande ziehen 86 Tonnen Gold aus den USA ab – Bundesbank belässt 1.236 Tonnen in New York
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Zentralbanken nutzen Goldreserven als strategische Absicherung gegen geopolitische und finanzielle Krisen.
Die niederländische Zentralbank De Nederlandsche Bank (DNB) hat rund 86 Tonnen Gold aus den USA und Kanada nach London verlagert. Zwischen März und August 2026 fiel der in New York gelagerte Anteil der niederländischen Bestände von 31,3 auf 18,5 Prozent.
Die DNB begründet den Schritt mit zunehmenden geopolitischen Spannungen und dem Erfordernis, im Krisenfall unmittelbaren Zugriff auf das Edelmetall zu haben. In New York lagern nun noch rund 113 Tonnen der insgesamt 612,4 Tonnen umfassenden Reserven der Niederlande.
Verlagerung nach London sichert schnelle Handlungsfähigkeit
London gilt als das globale Zentrum für den physischen Goldhandel. Dort eingelagerte Bestände lassen sich an den Finanzmärkten deutlich schneller handeln, verleihen oder als Kreditsicherheit einsetzen als Reserven in Übersee.
Um Transport- und Sicherheitsrisiken zu minimieren, wickelte die DNB den Schritt größtenteils buchhalterisch ab. Knapp 59 Tonnen wurden in Nordamerika verkauft und zeitgleich in London erworben, während gut 27 Tonnen physisch über den Atlantik transportiert wurden.
Bereits 2014 hatte die DNB ihren Bestand an der US-Ostküste von 51 auf rund 31 Prozent gesenkt. Durch den jüngsten Transfer stieg der Londoner Anteil auf 32,1 Prozent der gesamten niederländischen Goldreserve.
Bundesbank hält 1.236 Tonnen Gold in New York
In Deutschland entfacht der niederländische Schritt die Diskussion über die eigenen Reserven neu. Ende 2025 lagerten 1.236 Tonnen deutsches Gold bei der Federal Reserve in New York, was rund 37 Prozent des Gesamtbestands der Bundesbank entspricht.
Die übrigen Reserven verteilen sich auf den Hauptsitz in Frankfurt am Main mit 1.710 Tonnen sowie London mit rund 404 Tonnen. Zwischen 2013 und 2016 hatte die Bundesbank bereits 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt überführt.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte, er habe keine Zweifel an der Sicherheit der Bestände bei der Federal Reserve. Ein Bruch des völkerrechtlichen Schutzstatus durch die USA würde dem US-Finanzplatz selbst massiv schaden.

Uneinigkeit unter deutschen Ökonomen
Kapitalmarktstratege Stefan Riße plädiert angesichts globaler Risiken für eine Neubewertung und die Rückführung weiterer Bestände nach Deutschland. Im Ernstfall sei die uneingeschränkte Verfügungsgewalt entscheidend.
Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt hingegen vor den diplomatischen Signalen einer solchen Aktion. Ein überstürzter Abzug aus New York könnte das politische Verhältnis zur US-Regierung unnötig belasten.
Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz verweist zudem auf die Funktion des Standorts: New York erlaube es der Notenbank, Goldreserven im Bedarfsfall binnen kürzester Zeit in US-Dollar-Liquidität zu tauschen.
Europas Notenbanken wählen unterschiedliche Strategien
Frankreich hat seine Goldreserven bereits vollständig aus den USA abgezogen. Die Banque de France verkaufte 2025 ihre letzten 129 Tonnen in New York und kaufte entsprechende Bestände direkt in Europa nach, um aufwendige Hochsicherheitstransporte zu vermeiden.
Andere Staaten setzen weiterhin auf die Federal Reserve. Die Banca d’Italia hält 1.061,5 Tonnen und damit 43,29 Prozent ihres Goldes in New York, Schwedens Riksbank lagert dort Teile ihrer 125,7 Tonnen zur Risikostreuung.
Insgesamt verwahrt die Federal Reserve Bank of New York nach offiziellen Angaben aus dem Juli 2026 rund 5.750 Tonnen Gold für ausländische Zentralbanken und internationale Organisationen.
