OP in 30 Minuten: Wie ein neues Strom-Verfahren Vorhofflimmern stoppt
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OP in 30 Minuten: Wie ein neues Strom-Verfahren Vorhofflimmern stoppt
Herzrasen, plötzliche Schwächeanfälle, Engegefühl in der Brust und wiederkehrende Bewusstlosigkeit bestimmten jahrelang das Leben von Stefanie Müller-Lecke aus Willich. Trotz schwerer Angstzustände wiegelten Mediziner ihre Beschwerden lange Zeit ab. Erst spät stellte sich heraus: Die 55-Jährige litt unter Vorhofflimmern und hatte bereits zwei unbemerkte, leichte Herzinfarkte erlitten.
Klarheit und Hilfe brachte schließlich eine Überweisung an das Neusser Lukaskrankenhaus. Ein minimalinvasiver Eingriff mit einem neuartigen Verfahren stellte den natürlichen Rhythmus ihres Herzens wieder her.
Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt gerät
Vorhofflimmern ist die am weitesten verbreitete Herzrhythmusstörung und tritt laut Kardiologen immer häufiger auf. Die sonst geordneten elektrischen Impulse im Vorhof geraten dabei in ein unkontrolliertes Chaos, wodurch das Herz unregelmäßig und oft viel zu schnell schlägt.
Weil das Blut durch das Flimmern nicht optimal weitertransportiert wird, können sich gefährliche Blutgerinnsel bilden, die das Schlaganfallrisiko massiv erhöhen. Eine sichere Diagnose ist über ein Elektrokardiogramm (EKG) möglich.
Typische Symptome und Warnsignale
Die Anzeichen variieren je nach Patient erheblich und reichen von leichten Unruhezuständen bis hin zu akuter Todesangst. Zu den häufigsten Beschwerden zählen:
- Spürbares Herzstolpern oder starkes Herzrasen
- Atemnot und Schwindelanfälle
- Müdigkeit und plötzliche Leistungsschwäche
- Ein dauerhaft unregelmäßiger Puls beim Tasten am Handgelenk
PFA-Technologie: Gezielte Stromstöße statt Hitze und Kälte
In Kliniken wie dem Lukaskrankenhaus in Neuss sowie in Krefeld und Mönchengladbach kommt zur Behandlung die sogenannte Pulsed Field Ablation (PFA) zum Einsatz. Bei dieser Katheterbehandlung wird ein feiner Schlauch über die Leiste bis zum Herzen vorgeschoben.
EKG-Untersuchung bei einer Patientin während der kardiologischen Nachsorge.
„Es ist ein sehr starker, aber extrem kurzer elektrischer Impuls auf den Herzmuskel“, erklärt Dr. Torsten Becker, Leiter der Elektrophysiologie am Lukaskrankenhaus. Durch diesen Impuls bilden sich Poren in den betroffenen Herzmuskelzellen, wodurch das fehlerhafte Gewebe gezielt abstirbt und die Störsignale beseitigt werden.
Deutlich kürzere Eingriffszeit für Patienten
Ein wesentlicher Vorteil der PFA gegenüber herkömmlichen Ablationen mit Kälte oder Hitze liegt in der Präzision. Da der elektrische Reiz spezifisch auf das Herzgewebe abgestimmt ist, lassen sich Kollateralschäden an umliegenden Nervenbahnen oder der Speiseröhre weitgehend verhindern.
Zudem verkürzt sich die Behandlungszeit drastisch: Während klassische Verfahren bis zu anderthalb Stunden dauern können, ist die PFA-Prozedur laut Prof. Daniel Steven, Leiter der Elektrophysiologie der Uniklinik Köln, meist nach 30 bis 45 Minuten beendet.
Statistisch gesehen treten Rückfälle im ersten Jahr nach dem Eingriff bei etwa 20 Prozent der Patienten auf, in den Folgejahren bei jährlich rund fünf Prozent. In solchen Fällen kann die Ablation wiederholt werden. Bei Stefanie Müller-Lecke verlief die Nachkontrolle bei Operateur Dr. Dr. Milad Golabkesh erfolgreich – ihr Herz schlägt seither wieder im normalen Takt.

