Zum Inhalt springen
On Air Festival

Panamakanal: Reederei zahlt 5,3 Millionen Dollar für einzelne Durchfahrt

Frachtschiff passiert eine Schleuse im Panamakanal Aktuelle News

Der Panamakanal wickelt rund fünf Prozent des weltweiten Seehandels ab.

Um die tagelange Warteschlange vor dem Panamakanal zu umgehen, hat ein südkoreanisches Unternehmen eine historische Rekordsumme gezahlt. Für die Passage des Flüssiggastankers „G. Spirit“ am 1. September ersteigerte der Konzern SK Gas einen Durchfahrtsslot für 5,3 Millionen Dollar (rund 4,55 Millionen Euro).

Ilya Espino de Marotta, die stellvertretende Leiterin der Kanalbehörde, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass dies die bisher höchste gezahlte Summe bei einer solchen Versteigerung war. Erst Anfang August war der vorherige Höchstwert von 4,6 Millionen Dollar aufgestellt worden.

Regulär buchen Schiffe ihre Passage monatelang im Voraus. Schiffe ohne feste Reservierung müssen im Schnitt fünf Tage warten oder freie Restplätze ersteigern. Der Durchschnittspreis dieser Auktionen lag zuletzt bei rund 55.000 Dollar – das aktuelle Gebot übersteigt diesen Betrag um fast das Hundertfache.

El Niño lässt Wasserstände drastisch sinken

Hintergrund der eskalierenden Auktionspreise sind massive Kapazitätsbeschränkungen. Das Klimaphänomen El Niño führt in Mittelamerika zu extremer Trockenheit. Von Mai bis August lagen die Niederschlagsmengen im Einzugsgebiet des Kanals 34 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

Für den Betrieb des Schleusensystems werden gigantische Wassermengen aus zwei künstlichen Seen benötigt. Wegen der sinkenden Pegelstände drosselt die Behörde die täglichen Schiffspassagen schrittweise weiter ab.

Folgen für deutsche Reeder

Die Einschränkungen treffen auch die deutsche Schifffahrt. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) nutzen heimische Unternehmen die 80 Kilometer lange Wasserstraße regelmäßig mit Container-, Massengut-, Auto- und Tankschiffen.

Panamakanal: Reederei zahlt 5,3 Millionen Dollar für einzelne Durchfahrt

Auch wenn der Verband keinen vollständigen Einbruch sieht, bedeuten die Verzögerungen und eventuelle Umwege über das südliche Afrika eine spürbare operative Belastung für die Flotten.

Veränderte Routen verteuern globale Frachten

Nach Einschätzung von Finanzexperten treibt nicht nur der Wassermangel die Preise. Auch geopolitische Konflikte wie kriegerische Auseinandersetzungen im Nahen Osten zwingen Schiffe zu Ausweichrouten, was die globalen Frachtkapazitäten zusätzlich verknappt.

Der Panamakanal gilt als Nadelöhr der Weltwirtschaft: Rund fünf Prozent des gesamten Seehandels und etwa 40 Prozent aller US-Container laufen über die Route. Insbesondere Energie und Getreide machen knapp 70 Prozent der transportierten Tonnage aus.

Muss ein Schiff die Wasserstraße meiden und stattdessen das Kap der Guten Hoffnung umfahren, verlängert sich etwa eine Fahrt vom US-Golf nach Asien um rund 12 Tage. Diese Umwege verursachen massive Zusatzkosten für Treibstoff, Personal und Versicherung, die letztlich auch die Endpreise von Agrargütern und Energieprodukten beeinflussen können.