Paul Breitner wird 75: Weltmeister, Rebell und 17-Stunden-Bundestrainer
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Paul Breitner wird 75: Weltmeister, Rebell und 17-Stunden-Bundestrainer
Paul Breitner begegnet seinem 75. Geburtstag ohne jede Verklärung. Schon zu seinem 70. stellte die Bayern-Legende klar, dass er sein Alter ganz bewusst annehme und sich keineswegs wie ein 20- oder 30-Jähriger fühle.
Der gebürtige Kolbermoorer galt über Jahrzehnte als streitbare Ausnahmeerscheinung des deutschen Fußballs. Er provozierte mit der Mao-Bibel in der Hand, schrieb pointierte Zeitungskolumnen und beendete 1998 seine Amtszeit als Bundestrainer nach nur 17 Stunden im Dauerstreit mit dem DFB.
„Ich glaube, der hat sich ein Stück um seine eigene Karriere geredet“, urteilte sein langjähriger Sturmpartner Karl-Heinz Rummenigge rückblickend. Breitner sei jedoch immer authentisch geblieben, ein Exot und immer interessant.

Paul Breitner prägte den deutschen Fußball über Jahrzehnte hinweg.
Der Elfmeter im Münchner WM-Finale 1974
Auf dem Platz stach Breitner mit heruntergezogenen Stutzen, wippender Mähne und hoher Dynamik heraus. Seine sportliche Sternstunde erlebte er mit 22 Jahren im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande.
Nach dem frühen 0:1-Rückstand und dem Foul an Bernd Hölzenbein übernahm Breitner die Verantwortung. Bundestrainer Helmut Schön hatte vor dem Anpfiff keinen festen Schützen bestimmt.
Klare Ansage an Wolfgang Overath
Als Teamkollege Wolfgang Overath nachfragte, ob er den Strafstoß wirklich ausführen wolle, antwortete Breitner trocken im bayerischen Dialekt: „Des siggsd du ja, den hau i jetzt nei und jetzt schleich di!“
Breitner verwandelte sicher zum Ausgleich, Gerd Müller traf zum 2:1-Sieg und Deutschland gewann den WM-Pokal. Breitner gehört bis heute zu den weltweit nur fünf Spielern, die in zwei verschiedenen WM-Endspielen ein Tor erzielten.
Erfolge, Zerwürfnisse und die Münchner Tafel
Seine Titelsammlung ist beeindruckend: Europameister 1972, Weltmeister 1974, fünf deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege und der Gewinn des Europapokals der Landesmeister mit dem FC Bayern. Mit Real Madrid gewann er zudem zwei spanische Meisterschaften sowie den spanischen Pokal, bevor er 1981 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt wurde.
Seine deutlichen Worte führten allerdings auch zu jahrelangen Konflikten. Mit seinem früheren Weggefährten Uli Hoeneß herrschte über ein Jahrzehnt Funkstille. Erst bei der Trauerfeier für Gerd Müller im Jahr 2021 näherten sich beide wieder an.
Abseits des Scheinwerferlichts engagiert sich Breitner gemeinsam mit seiner Ehefrau Hilde seit fast 20 Jahren jeden Montag persönlich bei der Münchner Tafel.
