PISA 2025: Polens Schüler übertreffen EU-Schnitt mit bis zu 495 Punkten – doch 38 Prozent sehen keinen Sinn im Unterricht
Aktuelle News
PISA 2025: Polens Schüler übertreffen EU-Schnitt mit bis zu 495 Punkten – doch 38 Prozent sehen keinen Sinn im Unterricht
Polens 15-Jährige schneiden bei der Schulleistungsstudie PISA 2025 in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesekompetenz deutlich besser ab als der Durchschnitt der Europäischen Union und der OECD. Hinter den starken Zahlen verbirgt sich jedoch eine wachsende Entfremdung vom Unterricht.
Die Testergebnisse stagnieren im Vergleich zu 2022 und erreichen nicht das Niveau von 2018. Gleichzeitig melden polnische Schulen alarmierende Fehlzeiten und einen drastischen Motivationsmangel bei den Jugendlichen.
Starke Testergebnisse über dem EU-Mittelwert
An der PISA-Erhebung 2025 nahmen weltweit rund 760.000 Jugendliche aus 91 Staaten und Volkswirtschaften teil. In Polen testete das staatliche Bildungsforschungsinstitut IBE-PIB insgesamt 7.103 Schülerinnen und Schüler an 217 Schulen.
Polen erzielte 495 Punkte in Naturwissenschaften, 484 Punkte in Mathematik und 482 Punkte im Lesen. Die OECD-Durchschnittswerte lagen bei 482, 463 und 461 Punkten, während die EU-Mittelwerte mit 476, 460 und 451 Punkten noch weiter zurückblieben.
Innerhalb der Europäischen Union schnitten in Naturwissenschaften nur Estland und Finnland besser ab. In Mathematik lag lediglich Estland vor Polen, im Leseverständnis waren es Estland und Irland.
Auch die Basisabsicherung fällt überdurchschnittlich aus. Mindestens die grundlegende Kompetenzstufe 2 erreichten in Polen 80 Prozent in Naturwissenschaften, 74 Prozent in Mathematik und 76 Prozent beim Lesen.
Gefährliche Kluft an den Berufsschulen
Der nationale Durchschnitt verschleiert erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schulformen. Während Jugendliche an allgemeinbildenden Lyzeen Spitzenwerte erreichten, stürzten die Ergebnisse an den berufsbildenden Schulen der ersten Stufe (branżowe szkoły I stopnia) ab.
An diesen Berufsschulen verfehlten 59 Prozent in Naturwissenschaften, 71 Prozent in Mathematik und 68 Prozent im Lesen das Mindestkompetenzniveau der Stufe 2. Dies betrifft direkt jene Fachkräfte, die künftig in Industrie, Handwerk und Logistik arbeiten sollen.
Der Faktor der frühen Einschulung
Zur Einordnung der Ergebnisse trägt auch ein struktureller Aspekt bei. Durch die frühere Einschulung mit sechs Jahren befand sich ein Großteil des polnischen Testjahrgangs bereits im zweiten Jahr einer weiterführenden Schule.
Diese Schülergruppe verfügte über ein zusätzliches Unterrichtsjahr auf dieser Bildungsstufe im Vergleich zu früheren Kohorten. Vor allem an Lyzeen und technischen Schulen wirkte sich dieser Effekt messbar auf die Punktzahlen aus.
Motivationskrise und hohe Fehlzeiten
Die größten Schwachstellen des polnischen Schulsystems liegen abseits der fachlichen Aufgaben. Nur 64 Prozent der Befragten gaben an, sich ihrer Schule zugehörig zu fühlen – im OECD-Schnitt sind es 76 Prozent.
Rund 38 Prozent der polnischen Jugendlichen bezeichneten Schule als reine Zeitverschwendung, verglichen mit 26 Prozent im EU-Schnitt. Zudem erklärten 63 Prozent, die Schule bereite sie kaum auf das spätere Erwachsenenleben vor.
Diese Haltung schlägt sich direkt in den Anwesenheitszahlen nieder. In den zwei Wochen vor dem Test schwänzten 31 Prozent mindestens einen ganzen Schultag, 45 Prozent verpassten einzelne Unterrichtsstunden und 61 Prozent kamen unentschuldigt zu spät.
Auch die Ausdauer beim Lösen komplexer Aufgaben war gering ausgeprägt. Nur 44 Prozent der polnischen Jugendlichen gaben an, eine schwierige Aufgabe bis zum Ende zu bearbeiten, womit Polen gemeinsam mit Slowenien am Tabellenende lag.
Der direkte Vergleich mit Deutschland
Für Deutschland liefert PISA 2025 ernüchternde Daten: Die Leistungen fielen in Mathematik und Lesen auf den tiefsten Stand seit Beginn der Messungen. Deutschland bewegt sich nahe am OECD-Schnitt und liegt in allen drei Kernbereichen hinter Polen.
Allerdings unterscheiden sich die strukturellen Probleme beider Länder. Während 52 Prozent der deutschen Schüler eine Schule besuchen, deren Leitung Unterrichtsausfälle durch Lehrermangel beklagt, sind es in Polen 43 Prozent.
Gleichzeitig berichten deutsche Jugendliche über eine höhere Durchhalteabsicht bei schwierigen Aufgaben (64 Prozent gegenüber 50 Prozent in Polen) und schwänzen seltener ganze Unterrichtstage.
Digital kompetent, aber im Unterricht abgelenkt
Beim computergestützten Problemlösen erreichte Polen mit 507 Punkten ein starkes Ergebnis über dem OECD-Mittelwert von 500 Punkten. Etwa 55 Prozent der polnischen Schüler nutzen mindestens einmal wöchentlich KI-Chatbots zum Lernen.
Der intensive Technikeinsatz bringt jedoch deutliche Nebenwirkungen mit sich. Rund 74 Prozent der Befragten gaben an, dass Mitschüler im Unterricht durch digitale Geräte abgelenkt werden, und 62 Prozent verspüren während der Stunden permanenten Online-Drang.
Gleichzeitig bewerteten die Jugendlichen die didaktische Unterstützung durch Lehrkräfte beim Technikeinsatz und die schulische IT-Infrastruktur deutlich schlechter als der internationale Durchschnitt.
