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Pisa-Krise an Schulen: Nur 18 Prozent der Schüler lernen ohne Lehrermangel

Pisa-Krise an Schulen: Nur 18 Prozent der Schüler lernen ohne Lehrermangel Aktuelle News

Pisa-Krise an Schulen: Nur 18 Prozent der Schüler lernen ohne Lehrermangel

Die jüngsten Ergebnisse der Pisa-Studie belegen einen historischen Tiefstand bei den schulischen Leistungen in Deutschland. Für Fachleute aus der Praxis kommt dieser Einbruch nicht überraschend.

Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), sieht in den schwachen Werten die Bestätigung eines langanhaltenden Trends. Vor allem im Bereich des Leseverständnisses haben die Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren spürbar nachgelassen.

Digitale Medien und der Wandel der Lesekompetenz

Als wesentliche Ursache für die schwächeren Ergebnisse benennt Neckov das veränderte Mediennutzungsverhalten. Das Aufwachsen mit Smartphones, Tablets, Algorithmen sozialer Netzwerke und künstlicher Intelligenz prägt den Alltag junger Menschen massiv.

Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt, während das Phänomen eines flüchtigen Lesens ohne echtes Textverständnis zunimmt. Wenn komplexe Texte nicht mehr erfasst werden, steigen auch die gesellschaftlichen Risiken, da einfache Antworten ungefiltert übernommen werden.

Eine gezielte Leseförderung müsste bereits in der Kita über eine fundierte Sprachförderung ansetzen. Allerdings fehlt es in den Kindertagesstätten und Grundschulen an ausreichend qualifiziertem Personal und zeitlichen Ressourcen.

Fehlende Ressourcen und akuter Personalnotstand

Die Rahmenbedingungen an den Schulen erschweren das Auffangen dieser Defizite erheblich. Laut den Daten der Pisa-Studie geben lediglich 18 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, an einer Schule ohne Lehrkräftemangel unterrichtet zu werden.

Der Mangel an grundständig ausgebildeten Pädagogen lässt sich kurzfristig kaum beheben. Trotz Verbeamtung und tariflicher Vergütung sinkt das Interesse an Lehramtsstudiengängen – insbesondere für Mittelschulen –, da die Belastungen im Schulalltag kontinuierlich steigen.

Seiteneinsteiger federn den Mangel in vielen Kollegien engagiert ab, ersetzen jedoch keine vollwertige pädagogische Ausbildung. Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf an Weiterbildungen, unter anderem im didaktischen Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Bürokratie und Förderchaos belasten Schulleitungen

Kritik übt der Verband an der Zersplitterung staatlicher Unterstützungen. Neben dem Startchancenprogramm existieren zahlreiche Einzelpakete wie der Digitalpakt oder kommunale Fördertöpfe nebeneinander her.

Diese bürokratischen Hürden binden wertvolle Arbeitszeit in den Schulleitungen. Gefordert wird stattdessen eine größere finanzielle und personelle Eigenverantwortung direkt an den Schulstandorten.

Soziale Herkunft bleibt entscheidender Faktor

Die Pisa-Ergebnisse unterstreichen erneut die enge Kopplung zwischen familiärem Hintergrund und Schulerfolg in Deutschland. Nicht ein Migrationshintergrund an sich ist ausschlaggebend, sondern die wirtschaftliche und sprachliche Situation des Elternhauses.

Um die soziale Schere zu verkleinern, sind gezielte Investitionen an Brennpunktschulen notwendig. Multiprofessionelle Teams und zusätzliche Planstellen müssen dort eingerichtet werden, wo Kinder die geringste Unterstützung im privaten Umfeld erhalten.