Zum Inhalt springen
On Air Festival

Produktionsstopp 2034: Internes VW-Papier bedroht 15.500 Jobs bei Audi Neckarsulm

Proteste von Audi-Mitarbeitern gegen die Sparpläne des VW-Konzerns am Standort Neckarsulm Aktuelle News

Proteste gegen die Sparpläne des Volkswagen-Konzerns vor dem Audi-Werk in Neckarsulm.

Ein internes Strategiepapier des Volkswagen-Vorstands sorgt für massive Unruhe am traditionsreichen Audi-Standort Neckarsulm. Nach Informationen der Wirtschaftswoche sieht das Dokument vor, die Fahrzeugfertigung im Kreis Heilbronn bis zum Jahr 2034 vollständig einzustellen.

Ein solches Szenario hätte drastische Konsequenzen für die gesamte Region Heilbronn-Franken. Direkt im Werk stehen rund 15.500 Arbeitsplätze auf dem Spiel, zudem hängen mehr als 1.000 Zulieferbetriebe an den bestehenden Fertigungslinien.

Gegen die Sparpläne von VW gibt es bei Audi in Neckarsulm Proteste.
Gegen die Sparpläne von VW gibt es bei Audi in Neckarsulm Proteste.

Audi ist nach der Schwarz-Gruppe der zweitgrößte Arbeitgeber im regionalen Wirtschaftsraum und rangiert damit vor Konzernen wie Würth und Bosch. Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) zeigte sich angesichts der bekannt gewordenen Pläne verärgert und kündigte entschiedenen Widerstand an.

Widerstand in Politik und Belegschaft formiert sich

Hertwig richtete einen deutlichen Appell an das Kontrollgremium des Konzerns, den Kurs des Vorstands nicht mitzutragen. Man habe bereits vor 50 Jahren erfolgreich um das Werk gekämpft und werde den Standort keinesfalls kampflos aufgeben.

Auch auf Landesebene stoßen die Pläne auf scharfe Kritik. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) forderte von der Konzernspitze ein klares Bekenntnis zu Neckarsulm und betonte, dass bloße Einsparungen keine nachhaltige Zukunftsstrategie darstellten.

Das Audi-Logo auf einem Fahrzeug (Symbolbild). Am Standort Neckarsulm trennt sich der Autobauer Audi bis Ende Juni von allen noch verbliebenen Zeitarbeitern.
Das Audi-Logo auf einem Fahrzeug an einem Werksstandort.

SPD-Landtagsfraktionschef Sascha Binder warf dem Management vor, mit den Ängsten der Beschäftigten zu spielen. Es gebe weiterhin tragfähige Argumente für eine Fortführung des Werksbetriebs.

Produktionsstopp 2034: Internes VW-Papier bedroht 15.500 Jobs bei Audi Neckarsulm

Hohe Abhängigkeit der umliegenden Landkreise

Die wirtschaftlichen Verflechtungen reichen weit über das Stadtgebiet hinaus. Allein aus dem benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis pendeln täglich etwa 4.500 Beschäftigte in das Audi-Werk.

Landrat Achim Brötel (CDU) wies darauf hin, dass im ländlichen Raum auf jeden Montageplatz im Schnitt drei Stellen in der regionalen Zulieferindustrie entfallen. Ein Auslaufen der Produktion würde zudem die kommunalen Haushalte schwer belasten: Die Stadt Neckarsulm rechnet mittelfristig mit einer Halbierung ihrer Gewerbesteuereinnahmen.

Strategisches Auslaufen ohne formellen Schließungsbeschluss

Hintergrund der Vorstandsüberlegungen ist offenbar ein formales Schlupfloch: Werden einem Standort schlicht keine Nachfolge-Baureihen mehr zugewiesen, gilt dies konzernrechtlich nicht als Schließung. Damit entfällt die formale Zustimmungspflicht des Aufsichtsrats.

Betriebsratschef Alexander Reinhart forderte Respekt und sofortige Aufklärung für die Mitarbeiter ein. Die Gewerkschaft IG Metall plant für den 21. September eine bundesweite Protestaktion, reguläre Streiks sind aufgrund der bis Ende Oktober geltenden Friedenspflicht derzeit ausgeschlossen.