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Rachel Cusk und Natalie Portman: Was hinter dem Streit um „Das Leben der M“ steckt

Die britische Schriftstellerin Rachel Cusk. Aktuelle News

Die britische Schriftstellerin Rachel Cusk.

Internationale Literaturkritiker reagieren extrem gespalten auf das neue Werk von Rachel Cusk. Während der britische „Telegraph“ von einem „literarischen Attentat“ sprach, bezeichnete die „New York Times“ das Buch als „lost little book“, und Star-Rezensentin Parul Sehgal nannte es schlicht „undiszipliniert, unfokussiert und sofort zu vergessen“.

Im Zentrum des Interesses steht jedoch nicht nur Cusks Prosa, sondern auch ein realer Konflikt. Der „Hollywood Reporter“ sprach bereits vom „Literaturskandal des Jahres“, da der Roman eine Freundschaft der Autorin zerstört haben soll.

Parallelen zu einem echten Hollywood-Star

Im Roman schreibt eine namenlose Erzählfigur die Autobiografie einer weltbekannten Schauspielerin, die lediglich „M“ genannt wird. M erlaubt dem Ich-Erzähler ausdrücklich, in dieser Lebensgeschichte Fakten und Erfindungen frei zu vermischen.

Die biografischen Eckdaten der Figur M weisen unverkennbare Parallelen zu Oscar-Preisträgerin Natalie Portman auf. Beide Frauen lebten zeitweise in Paris und waren miteinander bekannt.

Deckungsgleiche Karrierestationen

Genau wie Portman wurde die Romanfigur M bereits im Kindesalter durch eine markante Rolle berühmt, gewann später für die Darstellung einer Balletttänzerin einen Oscar und fungiert als langjähriges Gesicht eines großen Luxuskosmetikkonzerns.

Rachel Cusk und Natalie Portman: Was hinter dem Streit um „Das Leben der M“ steckt

Die britische Schriftstellerin Rachel Cusk.
Die britische Schriftstellerin Rachel Cusk.

Trotz der Promi-Debatte funktioniert „Das Leben der M“ vor allem als literarische Versuchsanordnung. Die von Eva Bonné ins Deutsche übersetzte Sprache verzichtet auf klassische Spannungsbögen und konzentriert sich ganz auf eine distanzierte Beobachtung.

Analyse statt Handlung

Die erzählende Stimme wechselt unbestimmt zwischen „Ich“ und „Wir“, ohne Geschlecht oder genauen Schauplatz festzulegen. Die Schauspielerin dient im Text als Projektionsfläche für das Publikum, das den Star durch permanente Erwartungen von der Realität entfremdet hat.

Entgegen dem Urteil des „New Yorker“, der von Cusks schwächstem Werk sprach, bietet das Buch eine dichte Reflexion über Identität und Fremdwahrnehmung. Es schließt damit stilistisch an Cusks gefeierte „Outline“-Trilogie an.

Für Cusk ist die juristische und persönliche Brisanz ihrer Texte kein neues Phänomen. Bereits die Erstauflage ihres Reiseberichts „The Last Supper“ musste einst eingestampft und redigiert werden, nachdem sich eine reale Person gegen die ungefragte Porträtierung gewehrt hatte.