Reaktion mit Chlor zu Trichloramin: Warum Urin im See schadet, im Meer aber kaum
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Die biologischen und chemischen Folgen von Urin hängen stark von der Art des Gewässers ab.
Der Harndrang beim Schwimmen ist ein bekanntes Phänomen. Ob das Wasserlassen Folgen für Mensch und Umwelt hat, hängt jedoch maßgeblich davon ab, wo man sich gerade befindet.
Chlor und Urin: Chemische Reizstoffe im Schwimmbecken
Im Schwimmbad richtet Urin handfeste chemische Schäden an. Reagiert der im Urin enthaltene Harnstoff mit dem Desinfektionsmittel Chlor, entstehen schädliche Nebenprodukte wie Chlorcyan und Trichloramin.
Diese Stoffe reizen Augen, Schleimhäute und Atemwege stark. Besonders bei Menschen mit empfindlicher Lunge oder geschwächtem Immunsystem können sie Hustenreiz oder brennende Augen auslösen. Da auch Schweiß und Kosmetika diese Reaktionen begünstigen, ist die Nutzung von Toiletten und Duschen vor dem Einstieg ins Becken unerlässlich.
Badeseen: Harnstoff beschleunigt Algenblüten
In stehenden Binnengewässern greift Urin direkt in das biologische Gleichgewicht ein. Experten des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie sowie der Berliner Bäder-Betriebe betonen, dass dadurch erhebliche Nährstoffmengen in den See gelangen.
Der Harnstoff wirkt wie ein Dünger und kurbelt das Wachstum von Algen an. Befinden sich bereits Cyanobakterien im Wasser, droht eine massive Ausbreitung dieser giftigen Blaualgen, die Hautausschläge und Magen-Darm-Beschwerden auslösen können. Kleine und flache Seen reagieren besonders empfindlich auf solche Einträge.
Meerwasser: Hohe Verdünnung minimiert Probleme
Im offenen Ozean fällt Urin buchstäblich kaum ins Gewicht. Analysen der American Chemical Society (ACS) zeigen, dass Urin ohnehin zu rund 95 Prozent aus Wasser besteht und Salze enthält, die im Meerwasser natürlich vorkommen.

Angesichts der gigantischen Wassermassen verflüchtigt sich der eingetragene Harnstoff sofort. Für das offene Meer stellt das Urinieren einzelner Schwimmer daher keine messbare Belastung dar.
Gefahr für Korallenriffe und Buchten
Eine Ausnahme im Meer bilden empfindliche Korallenriffe und flache, warme Buchten. Der im Urin gebundene Stickstoff begünstigt Algenarten, die Steinkorallen überwuchern und ihnen das lebensnotwendige Licht rauben.
Zudem können Rückstände von Medikamenten in strömungsarmen Zonen das Mikroklima schädigen. In Riffnähe sollte der Gang ins Wasser daher tabu sein.
Infektionsrisiko durch Krankheitserreger
Das Risiko, sich über Urin im Wasser mit Krankheiten zu infizieren, ist extrem gering. Eventuell vorhandene Erreger werden in natürlichen Gewässern sofort stark verdünnt. Wesentlich gefährlicher für die Gewässerhygiene sind Verunreinigungen durch Fäkalien.
