Riester-Reform 2027: Ab 15.000 Euro Guthaben kann sich der Wechsel sofort lohnen
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Ab 2027 können Sparer ihr Riester-Guthaben in das neue Altersvorsorgedepot übertragen.
Ab dem Jahr 2027 ändert sich die staatlich geförderte private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend. Das neue Altersvorsorgedepot soll höhere Renditen über den Kapitalmarkt ermöglichen und Sparern mehr Flexibilität bieten.
Für bestehende Riester-Verträge gilt dabei Bestandsschutz. Das Bundesfinanzministerium stellt klar, dass alte Verträge unverändert weitergeführt werden können, ein Wechsel ins neue Depot aber möglich ist. Bereits gutgeschriebene staatliche Förderungen bleiben beim Übertrag voll erhalten.
Rendite oder Zulagen: Wann sich der Umstieg rechnet
Ob sich der Wechsel finanziell lohnt, hängt vor allem von der Höhe des vorhandenen Vermögens und den laufenden Einzahlungen ab. Das Verbraucherportal Finanztip zeigt in einer Modellrechnung, dass die Renditechancen des neuen Systems alte Verträge schnell überflügeln können.
In der Berechnung wird für das Altersvorsorgedepot eine durchschnittliche Rendite von sechs Prozent jährlich angenommen, während alte Riester-Policen oft nur bei rund zwei Prozent liegen.
Renditevorteil bei größerem Sparguthaben
Je höher das bereits angesparte Kapital ist, desto stärker greift der Zinseszinseffekt des neuen Depots. Liegt das Riester-Guthaben bereits bei rund 15.000 Euro, kann sich der sofortige Wechsel laut Modellrechnungen sofort bezahlt machen.
- Mehr als 300 Euro Jahresbeitrag: Bei höheren Sparraten spricht die Förderstruktur eher für das Altersvorsorgedepot.
- Wegfallende Kinderzulagen: Sobald der Anspruch auf Kindergeld erlischt, verliert der alte Vertrag seinen größten Hebel.
- Geringverdiener mit Kindern: Bei geringem Eigenbeitrag sichern die festen Riester-Zulagen (175 Euro Grundzulage plus bis zu 300 Euro pro Kind) oft eine unschlagbare Förderquote.
Die neue Förderlogik im Vergleich
Das Altersvorsorgedepot setzt auf prozentuale Zuschüsse statt fester Sockelbeträge. Bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro schießt der Staat 50 Prozent zu, für Einzahlungen darüber hinaus bis zu 1.800 Euro gibt es 25 Prozent Förderung.

Pro kindergeldberechtigtem Kind fließen zusätzlich bis zu 300 Euro pro Jahr, gekoppelt an die Höhe der eigenen Einzahlung. Wer wenig verdient, aber mehrere Kinder hat, fährt mit der alten Riester-Förderung häufig weiterhin besser.
Garantien, Kosten und Wohn-Riester im Detail
Mit dem Systemwechsel verändern sich auch die Sicherheitsnetze. Das neue Altersvorsorgedepot erlaubt reine Aktien- und ETF-Investments ohne Garantie, bietet aber auch Varianten mit 80- oder 100-Prozent-Beitragsgarantie an.
Wer auf eine garantierte lebenslange Rente setzt, gibt diesen festen Anspruch bei einem Wechsel zu einem reinen Auszahlungsplan unter Umständen auf.
Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt zudem vor Produktkosten. Zwar sollen Standarddepots eine Effektivkostenobergrenze von einem Prozent einhalten, dennoch könnten Anbieter teure Zusatzverträge auf den Markt bringen.
Ein Wechsel muss nicht zum Stichtag am 1. Januar 2027 erfolgen, sondern ist auch Jahre später möglich. Sparer, die ihr Riester-Guthaben künftig für den Kauf oder Bau einer selbst genutzten Immobilie nutzen wollen, müssen vorab prüfen, ob der jeweilige Depotanbieter die Wohn-Riester-Regeln unterstützt.
