Zum Inhalt springen
On Air Festival

Rückkehr nach 150 Jahren: 55 Bisons retten Wüstengebiet in Mexiko

Amerikanischer Bison in der Steppenlandschaft Aktuelle News

Nach 150 Jahren Abwesenheit kehren die bis zu 1000 Kilogramm schweren Hornträger nach Mexiko zurück.

Nach rund 150 Jahren Abwesenheit ist der amerikanische Bison in seine historischen Weidegründe im Norden Mexikos zurückgekehrt. Im UNESCO-Naturschutzgebiet Cuatro Ciénegas im Bundesstaat Coahuila übernimmt das schwerste Landsäugetier des Kontinents nun wieder die Rolle eines natürlichen Landschaftsgärtners.

Die Wiederansiedlung begann im August 2025 mit drei Tieren im 4000 Hektar großen Reservat „El Santuario“. Im November folgten 38 weibliche und sechs männliche Bisons, die aus dem rund 1000 Kilometer entfernten Janos-Biosphärenreservat in Chihuahua überführt wurden. Da acht Kühe bereits trächtig waren, ist die Herde laut der mexikanischen Regionalzeitung „Vanguardia“ mittlerweile auf 55 Tiere angewachsen.

Bison in Neu Mexiko
Bison in Neu Mexiko

Vom Beinahe-Aussterben zur gezielten Rückkehr

Der Bison wanderte vor etwa 200.000 Jahren über die Beringstraße nach Nordamerika ein und erreichte vor rund 5000 Jahren das Gebiet des heutigen Nordmexiko. Durch intensive Bejagung, Viehzucht und Agrarflächen ging der Bestand im späten 19. Jahrhundert dramatisch zurück – um 1890 war die Art in der Coahuila-Wüste komplett verschwunden.

„Von allen Fauna-Arten in diesem Gebiet ist der Bison derjenige, der die Umwelt und das Ökosystem am positivsten verändert“, erklärt Gerardo Ruiz Smith, Direktor der Pro Cuatrociénegas Foundation, gegenüber „Vanguardia“.

Ökosystemingenieure auf 4000 Hektar Weideland

Das gesamte Schutzgebiet umfasst 84.000 Hektar und beherbergt seltene, endemische Arten wie den Cuatro-Ciénegas-Kärpfling (Cyprinodon bifasciatus), die Cuatro-Ciénegas-Elritze (Cyprinella xanthicara) sowie die stark bedrohte Cuatro-Ciénegas-Weichschildkröte (Apalone spinifera atra). Das Teilreservat „El Santuario“ war zuvor durch intensive Rinderhaltung überweidet und von Wüstenbildung bedroht.

Mit einem Gewicht von 600 bis 1000 Kilogramm brechen die Tiere mit ihren Hufen harte Bodenkrusten auf, sodass der seltene Regen tief in das Erdreich einsickern kann. Zudem verfangen sich Pflanzensamen in ihrem dichten Fell und werden über weite Strecken transportiert.

Brandschutz und Bodendüngung

Die Verdauung der Tiere spielt für die Wiederbelebung des Bodens eine entscheidende Rolle. Der Kot lockt Mistkäfer an, die organisches Material im Erdreich vergraben und so den Nährstoffgehalt anreichern.

Rückkehr nach 150 Jahren: 55 Bisons retten Wüstengebiet in Mexiko

Gleichzeitig fressen die Tiere trockenes Altgras ab. Dadurch reduzieren sie die Brandlast in der Steppe deutlich und leisten aktiven Wald- und Steppenbrandschutz.

Bisons grasen in Wyoming
Bisons grasen in Wyoming

Dritter Ansiedlungserfolg in Nordmexiko

Das Projekt in Cuatro Ciénegas ist nicht der erste Versuch, das Wildrind wieder in Mexiko zu etablieren. Bereits 2009 wurden 23 Bisons aus dem US-amerikanischen Wind Cave National Park in South Dakota in das Biosphärenreservat Janos gebracht.

2020 folgte eine weitere Gruppe von 19 Tieren im Naturreservat El Carmen nahe der texanischen Grenze. Zusätzlich leben etliche Exemplare auf weitläufigen privaten Ranches in der Region.

Wisentherde in Deutschland
Wisentherde in Deutschland

Parallelen zur Rückkehr des europäischen Wisents

Ähnliche Erholungsprogramme existieren auch für den europäischen Verwandten, das Wisent. Nachdem das letzte wildlebende Exemplar 1927 im Kaukasus geschossen worden war, sicherten Zoobestände das Überleben der Art.

Ab den 1950er-Jahren folgten erfolgreiche Auswilderungen im Białowieża-Urwald in Polen und Belarus. In Deutschland startete 2010 im Rothaargebirge ein entsprechendes Artenschutzprojekt zur Freisetzung der Tiere.