Sachsen-Anhalt vor der Wahl: AfD bei über 40 Prozent und ein Altersdurchschnitt von 48 Jahren
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Der Chemiepark Leuna steht stellvertretend für die industrielle Entwicklung in Sachsen-Anhalt.
Der durchschnittliche Einwohner Sachsen-Anhalts ist exakt 48 Jahre und drei Monate alt. Vor drei Jahrzehnten lag dieser Wert noch um mehr als acht Jahre niedriger.
Die Bevölkerungszahl sank von über 2,6 Millionen im Jahr 2000 auf derzeit rund 2,1 Millionen Menschen. Vor allem jüngere und gut ausgebildete Bürger verließen nach 1990 das Bundesland Richtung Westen.
Politischer Erdrutsch vor dem Urnengang
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Umfragen sehen die AfD aktuell bei mehr als 40 Prozent – mit deutlichem Vorsprung vor der CDU und der rechnerischen Möglichkeit einer Alleinregierung.
Der Zuspruch speist sich nicht allein aus Rentnergenerationen. Die Partei verzeichnet gerade bei jüngeren Jahrgängen hohe Werte, die weder die DDR noch die Nachwende-Umbruchsphase selbst miterlebt haben.
Alternde Gesellschaft trifft auf Fachkräftemangel
Ende 2025 zählte das Land über 613.000 Einwohner ab 65 Jahren, während rund 1,15 Millionen Menschen zur erwerbsfähigen Altersgruppe zwischen 20 und 65 Jahren gehörten. Zahlreiche Erwerbstätige treten bald den Ruhestand an, ohne dass ausreichend Nachwuchs nachrückt.
Die Folgen zeigen sich im Alltag: Handwerksbetriebe finden keine Nachfolger, Praxen von Landärzten schließen und Kommunen tragen steigende Infrastrukturkosten für schrumpfende ländliche Regionen. Magdeburg und Halle wachsen als Universitätsstandorte, während das Umland altert.

Chemiepark Leuna
Bedarf an Zuwanderung gegen gesellschaftliche Vorbehalte
Ende 2025 lebten rund 168.000 Ausländer in Sachsen-Anhalt, was etwa acht Prozent der Bevölkerung entspricht – vor zehn Jahren waren es noch 87.900. Mitte 2025 standen 68.400 ausländische Staatsangehörige in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, viermal mehr als 2015.

Trotz der wirtschaftlichen Notwendigkeit bleibt Migration politisch stark umstritten. Die Mobile Opferberatung registrierte im Jahr 2025 insgesamt 229 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe im Land.
Industrieanlagen in Sachsen-Anhalt
Industrietradition und geplatzte Hoffnungen
Das mitteldeutsche Chemiedreieck um Leuna, Schkopau und Bitterfeld-Wolfen bildet nach wie vor ein starkes industrielles Fundament. Konzerne wie Bayer, Evonik und Heraeus produzieren dort neben zahlreichen mittelständischen Betrieben.
Der erhoffte Großschub durch die geplante Intel-Megafabrik bei Magdeburg blieb jedoch aus; das Vorhaben geriet ins Stocken und wurde schließlich gestoppt. Solche Rückschläge verstärken im Land die Skepsis gegenüber politischen Ankündigungen.
Wahlplakate an einer Straße in Sachsen-Anhalt
Mittelstand und Landwirtschaft im Spannungsfeld
Im mittelständischen Unternehmenssektor bröckelt der Rückhalt für die CDU. Hohe Energiekosten, bürokratische Auflagen und Personalmangel führen dazu, dass immer mehr Unternehmer offen mit der AfD sympathisieren.
Ein ähnliches Spannungsfeld prägt den Agrarsektor. Große Agrarbetriebe hängen direkt von den jährlichen EU-Direktzahlungen ab, während europakritische Positionen in den ländlichen Wahlbezirken dominieren.
Landwirtschaftliche Flächen in Sachsen-Anhalt
Die Wähler messen ihren Lebensstandard längst nicht mehr an den Bedingungen der Nachwendezeit, sondern am aktuellen bundesweiten Niveau. Das Vertrauen in die bisherigen Regierungsparteien ist in weiten Teilen der Bevölkerung verloren gegangen.



