Schengen-Visa: Hunderttausende Einreisen für Russen trotz Ukraine-Krieg
Aktuelle News
Schengen-Visum im Reisepass.
Massive Visa-Vergabe trotz andauerndem Krieg
Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine unvermindert andauert, bleibt die EU ein Reiseziel für Hunderttausende russische Staatsbürger. Die aktuellen Zahlen der EU-Kommission für das Jahr 2025 belegen, dass insbesondere drei Mittelmeerstaaten das Tor in den Schengen-Raum weit offen halten.
Italien führte die Liste mit 161.121 Visa an, gefolgt von Frankreich mit 156.547 und Spanien mit 123.359 ausgestellten Dokumenten. Zusammen haben diese drei Länder mehr als 440.000 Visa an russische Staatsbürger vergeben.
Sicherheitsbedenken und mangelnde Solidarität
Das Problem: Ein einmal ausgestelltes Schengen-Visum gewährt Zutritt zum gesamten Schengen-Raum. Der FDP-Europaabgeordnete Jan-Christoph Oetjen betont die daraus resultierende Problematik: „Unabhängig davon, welches Land das Visum ausgestellt hat, können sich die Russen und Russinnen innerhalb des Schengen-Raums frei bewegen.“
Bereits kurz nach Kriegsbeginn im Februar 2022 hatte die EU Visaerleichterungen ausgesetzt und strengere Einzelfallprüfungen gefordert. Doch die Umsetzung durch die Mitgliedstaaten ist uneinheitlich. Eine Allianz aus elf EU-Ländern, darunter Schweden, Polen und die Niederlande, forderte bereits im Juni verbindliche und einheitliche Regeln.
Kritik an „Urlaub im Schatten des Krieges“
In einem Schreiben kritisieren die betroffenen Staaten den Umstand, dass russische Touristen ihre Freizeit in Europa verbringen, während zeitgleich ukrainische Zivilisten und Infrastruktur unter Beschuss stehen. Auch innerhalb des EU-Parlaments wächst der Widerstand.
Die CDU-Abgeordnete Verena Mertens stellt klar: Urlaub in Europa dürfe für russische Staatsbürger nicht zur Normalität werden, solange der Kreml den Krieg fortsetzt. Der schwedische Migrationsminister Johan Forssell bezeichnete das aktuelle Szenario als „geradezu verrückt“.
Brüssel setzt auf späte Reformen
Die EU-Kommission verteidigt ihr Vorgehen und verweist auf eine geplante Überarbeitung des Visa-Kodex. Ziel sei es, Sicherheitsrisiken durch feindselige Drittstaaten gezielter zu adressieren. Ein konkreter Entwurf für die neuen Regelungen wird jedoch erst für 2027 erwartet.

